Höchstlohn

4. November 2005
Von Timo Rieg

In “Ossietzky 22″ vom 29. Oktober 2005 steht ein kleiner Beitrag von Manfred Sohn über “Maximallohn”. Der ist gut, weil es “dem Stand der internationalen Debatten” entspricht. Da man sich ja in deutschen Postillen grundsätzlich nur an Gleichdenkende wendet, bedarf es keiner weiteren Argumentation. Nur noch ein Verweis auf eine mögliche Konkretion, in den USA gedacht: Das Zehnfache des Minimallohns reichen, alles andere wird abgeschöpft. Das Problem an solchen Kurzbeiträgen ist nicht ihre Position – die ist egal. Das Problem ist, dass die Pseudo-APO nach exakt den selben Mustern Einzelforderungen ausstößt, wie sie dies in der von ihr kirtisierten Politik gelernt hat – weshalb es nur Murks in einem anderen Gewandt ist, Glückstreffer ausgenommen.

Denn bevor man sich an einen Einzelvorschlag wie den des Maximallohns macht, sollte geklärt werden, was man eigentlich erreichen möchte. Und das ist der Linken so wenig klar wie den Neoliberalen, den Rechten oder der Berliner Riesenmitte.

Denn völlig richtig wäre die Analyse, dass Riesenkapital zu Problemen führen kann, die eine Gesellschaft nicht schultern will und nicht schultern muss. Es gibt kein Naturrecht auf Milliardärsdasein. Aber wo beginnt ein Reichtum, über den man den Reichen nicht mehr alleine entscheiden lassen kann, wo ist die Grenze, an der man den – bitteschön extremen – Totaleingriff in sein Eigentum verlangt? Das weiß ich auch nicht, aber ich weiß, dass es bisher nicht sinnvoll diskutiert ist. Am Ende wird da auch nicht ein Euro-Betrag stehen können. Es ist ein Unterschied, ob ich mit meinen Millionen oder Milliarden anderen auf den Wecker gehe oder nur für mich in Saus und Braus lebe. Es ist ein Unterschied, ob ich ein Vermögen erarbeite (natürlich immer nicht alleine – geschenkt) oder erbe.

Die konkrete Idee einer Kopplung des Maximallohns (was wohl eigentlich meint: Maximalvermögens, denn alles andere macht keinen Sinn) an einen Minimallohn ist dabei ein besonders blödsinniger Regelungsvorschlag. Zum einen sehe ich keinen vernünftigen Grund, warum “Armut” immer ein Zehntel des maximalen Reichtums sein soll. Und selbstverständlich wird sich Manfred Sohn dagegen verwehren, wenn wir diese Regelungswut auf die übrigen Lebensbereiche übertragen: Auf die Spanne zwischen Taschengeld eines jeden Kindes und dem Einkommen der Eltern, auf Kreativität (der Maximalkünstler darf nicht kreativer sein als die zehn größten Trottel zusammen), auf sexuelle Betätigungen – ach, es gibt so vieles, wo wir gegen die Ungerechtigkeit anregeln können.

04.11.2005

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