Kinderfeuerwehr ist Mumpitz

Vor dreißig Jahren konnte man mit Jugendarbeit noch richtig Aufsehen erregen. Wenn endlich mal jemand etwas anbot, sich um die Kinder und Jugendlichen kümmerte, ihnen (eigenverantwortliche) Freizeitgestaltung ermöglichte.

Inzwischen kannibalisieren sich die Vereine mit ihren Jugendarbeitsangeboten – die oft genug nur aus dem Gedanken der Nachwuchspflege betrieben werden. Immer früher versucht man die Kinder abzugreifen, bevor sie verplant sind. Doch das geht schief – und wird der Idee von Jugendarbeit nicht gerecht.

Beispiel, über das ich in der Zeitung gestolpert bin: Die Freiwillige Feuerwehr in vielen Orten gründet nun „Kinderabteilungen“, „Feuerfüchse“ – damit die Kurzen bereits mit 6 Jahren zur Feuerwehr gehen können.

Ich bin seinerzeit mit 14 zur Jugendfeuerwehr gekommen. Gerade alt genug, um mit Sitten und Gebräuchen freiwilliger Retter vertraut zu werden, – und gerade noch nicht zu jung, um die drei Jahre bis zur Mitarbeit in der Einsatzabteilung durchzuhalten.

Denn mal ehrlich: Feuerwehr, Blaulicht, Martinshorn, Rettungsschere – das klingt alles ganz spannend, ist aber doch ziemlichc schnell ausgereizt. Aber schon als Grundschüler zur Jugendfeuerwehr? Nie hätte ich über 10 Jahre lang nur Trockenübungen gemacht (und bei Nassübungen nur imaginierte Feuer gelöscht). Natürlich kann die Jugendfeuerwehr die Zeit auch mit anderen Freizeitangeboten füllen – Kegeln fahren, Grillen, Zelten… Das macht es aber nicht feuerwehriger.

Die Jugendfeuerwehr will Jugendliche auf den aktiven Einsatz vorbereiten, sie schon mal mit Technik und Abläufen vertraut machen, ihr Interesse wecken und halten – damit sie als ältere Jugendliche und junge Erwachsene für die Alarmbereitschaft zur Verfügung stehen. Das ist gut, sinnvoll, ja notwendig. Aber es muss nicht jede Teilbeschäftigung als alleinige Lebenserfüllung taugen. Es braucht Durchlässigkeiten,  Kooperationen und Raum für die jugendliche Willensbildung. Wer nach einem Jahr Jugendfeuerwehr sagt, ein wöchentliches Training öde jetzt eher an und man spiele derzeit lieber Fußball, der sollte das tun dürfen, ohne verstoßen zu werden.

Jugendarbeit sollte sich in erster Linie danach richten, was für die Jugendlichen gut ist. Am besten, indem die Jugendarbeit von Jugendlichen selbst gestaltet wird. Dann bleiben uns viele Fehlplanungen erspart. Für Kinder ist die Feuerwehr ein phantasievolles Spielthema. Das muss nicht von der Realität verbogen werden. Für Jugendliche aber ist Feuerwehr kein Kinderspiel, sondern etwas Ernstes, Wichtiges, Achtbares – Retten, Löschen, Bergen, Schützen. Damit kann man natürlich auch ein bisschen angeben – wenn das nicht für ein Kindergarten gehalten wird.

Die Vereine in den Ortschaften sollten sich absprechen, welches Angebot in welchem Alter und mit welcher Intensität angeboten werden sollte. Die Nachwuchsprobleme der Feuerwehr und Jugendfeuerwehr darüber lösen zu wollen, dass man die Kinder noch weit früher zu vereinnahmen versucht (Mini-Wehr, Kinder-Feuerwehr oder Bambini-Gruppe), ist der falsche Weg – sachlich, fachlich und pädagogisch.

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