Ganztagsschule

Die Einführung von Ganztagsschulen ist nicht nur ein gutes Beispiel für die schlechte Politik in Deutschland – sondern auch für den unglaublich vorauseilenden Gehorsam der Bevölkerung.

Für die flächendeckende und dann zwingende Einführung von Ganztagsschulen gibt es unterm Strich keine nachvollziehbare Begründung. Wer seine eigene Schulzeit verdrängt hat oder hofft, heute liefe in diesen „Lehranstalten“ alles besser und anders, der möge Schülerzeitungen und -blogs und -bücher lesen, Schülern im Überlandbus und der U-Bahn lauschen, sich auf den Pausenhof stellen oder sonstwie Fühlung mit dem realen Schulleben aufnehmen. Danach wird unbestritten klar sein: dieser Idiotenbetrieb darf auf keinen Fall auch noch auf den Nachmittag ausgedehnt werden.

Es gibt auch keinen Betreuungsbedarf in dem unterstellten Maße. Arbeit wird nicht mehr, sondern weniger – das ist der Erfolg von Produktivitätssteigerung. Und Kinder ab der 5. / 6. Klasse kommen auch mal zwei Nachmittage alleine zuhause klar, wenn beide Patchwork-Eltern unterwegs sind (als ob die sich sonst, wenn sie da wären, entsprechend kümmern würden…. ich sag nur: bei einem großen Teil der Kindergartenkinder steht bereits ein eigener Fernseher im Zimmer).

Alles Kacke also mit der Ganztagsschule. Und doch gilt sie als unausweichlich. Es werden Schulkantinen gebaut (keine Küchen zum Kochen, sondern „Ausgabeküchen“ für Fertigfraß – die so viel kosten, dass man davon selbst im teuren Deutschland alle Schüler, die dort speisen,  mindestens 4 Jahre lang jeden Tag 5 Euro in die Hand drücken könnte, damit sie sich Pizza, Döner oder auch ein richtiges Mittagstisch-Menü im Restaurant kaufen könnten). Es werden Nachmittagsangebote prophylaktisch gestrichen. Und es fügen sich die Vereine, die ihr Freizeitangebot dann als Schul-AGs anbieten, um überhaupt noch zum Zuge zu kommen.

Die meisten Schüler sind übrigens natürlich selbst auch gegen Ganztagsschulen (und selbst wenn es nicht die Mehrheit wäre bliebe der Zwang ein Unding).

Wie ich jetzt darauf komme? Durch diesen Artikel: Ein ganzes Wochenende beraten NRW-Pfadfinder zum Thema Ganztagsschule und was ihnen dazu einfällt ist  laut Zeitungsbericht:

Landesweit könnten zwei Nachmittage pro Woche einem „freiwilligen Betreuungsangebot für alle Schulpflichtigen“ zur Verfügung stehen. So haben Schüler die Möglichkeit, sich in dieser Zeit in Jugendverbänden zu engagieren, ohne dass die Schule darunter leidet.

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