Hilfe, ich habe eine Latte

Was Erwachsene für Jugendthemen halten
Dass Busenwunder Axel Springer wieder mal nicht peilt worum es geht – geschenkt. Aber die BILD-Zeitung steht mit ihrer Doofheit nicht alleine da. Was in den journalistisch angehauchten Medien zu einem Beitrag der – bereits beendeten – Ki.Ka-Serie „Du bist kein Werwolf – Leben in der Pubertät“ räsoniert wird, zeigt vor allem: Unverstand.
Der Kinderkanal war der Frage nachgegangen, „wie man eine ungewollte Erektion elegant verbergen kann“.
BILD: „Aber muss eine solche Sendung unbedingt auf dem Kinderkanal laufen? Und dann auch noch um 20.30 Uhr, wenn auch manch jüngeres Kind noch vor dem Fernseher sitzt?“

* Der Beitrag, wie Jungen eine Spontan-Erektion verbergen können, ist eine Zumutung – nicht, weil kleine Kinder zuschauen könnten, sondern weil möglicherweise auch die Zielgruppe zuschaut. Die Ki.Ka-Tipps sind dumm, peinlich, weltfremd – und sie stellen wie fast alle Pubertäts-Ratgeber Jugendliche auf den Präsentierteller. Oh du armer Junge, dem der Pimmel hart wird, du bist ein pubertärer Pflegefall, aber wir Großen haben da Tipps für dich.
* Jugendliche brauchen überhaupt keine Pubertäts-Hilfe von Erwachsenen. Ihre Bezugspersonen sind Gleichaltrige und Kumpel, die ein paar Jahre älter sind – aber keine Erwachsenen.
* Der Ki.Ka-Ratgeber ist schon im Ansatz bescheuert. Tricks verrät man nicht. Sie werden allenfalls weitergegeben, persönlich selektiert.
* Dass youtube das Video sperrt, zeigt unsere Abhängigkeit von dieser google-Plattform und – so die Begründung nicht Prüderie, sondern das deutsche Urheberrecht ist – die Nichtöffentlichkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (sowie massive rechtliche Probleme bei Meinungsäußerung, Zitat und Kunst). Sendungen des Ki.Ka müssen diskutierbar sein, und dazu muss man sie jederzeit abrufen können – wenn der Sender das selbst nicht anbietet müssen Videoplattformen das ermöglichen.
* Jugendliche selbst kommen bei dem Ganzen wie immer nicht zu Wort. Sie finden im Journalismus grundsätzlich nicht statt. Jugendliche werden allenfalls interpretiert, beschrieben, vertreten von Wissenschaftlern, Jugendpolitikern, Lobbyisten.

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