Was alles Demokratie heißt

Ein paar wichtige Modelle für die Diskussion um demokratische Reformen

Demarchie
Demokratie per Losentscheid. Vertreter werden nicht gewählt, sondern ausgelost. Das ist die demokratische Urform (auch wenn Hubertus Buchstein in seinem epochalen, aber langatmigen Forschungsbericht “Demokratie und Lotterie” auf zahlreiche Unterschiede im Detail hinweist) – und aus vielen Gründen das von mir absolut präferierte Modell. Back to the roots quasi.
Eine Methode ist die Citizens’ Jury bzw. Planungszelle, bisher nur beratend eingesetzt, könnte in dieser Form aber auch verbindlich entschieden werden.

Liquid Democracy
Mischform von direkter und indirekter Demokratie, es gibt einen “fließenden Übergang” zwischen der Selbstabstimmung und der Delegation auf Vertreter.
Siehe z.B. im Piraten-Wiki
in der Wikipedia: Delegated Voting

Halbdirekte oder Schweizer Demokratie
Die besondere Kombination aus direkter und repräsentativer Demokratie. Die Schweiz wird aufgrund der weitreichenden Möglichkeiten ihrer Bürger zur unmittelbaren Mitbestimmung oft als Musterland einer modernen Demokratie genannt. Allerdings vereint es eben auch die negativen Seiten von repräsentativer Demokratie (Berufspolitiker) mit den Problemen von Volksabstimmungen (Problemreduktion auf Ja-Nein-Entscheidungen, böse “demokratischer Analphabetismus” genannt).

Buchempfehlung
Obwohl ich es beim ersten Lesen damals gar nicht so toll fand, weil alle Vorschläge einfach ungewichtet nebeneinander stehen und mir die “Rahmengeschichte” albern vorkam, ist es doch eines der inhaltschwersten Bücher zum Thema:

Florian Felix Weyh: Die letzte Wahl – Therapien für die leidende Demokratie

Weiteres zum Thema
Liste der Herrschaftsformen bei Wikipedia

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert