Facebook: Stärken und Schwächen

Facebook gehört derzeit zum Standardrepertoire professioneller Kommunikation. Und es gibt zig Medienberater, Agenturen und Freiwillige, die sich intensiv mit Technik und Handhabung von Facebook beschäftigen.
Die nachfolgende Liste von Stärken und vor allem auch Schwächen des Facebook-Angebots ist daher nur ein klitzekleines Informations- und Diskussionsangebot, erwachsen aus meiner beruflichen Beschäftigung mit Facebook und anderen „sozialen Netzwerken“. Die Liste wird ergänzt, fortgeschrieben und natürlich auch korrigiert, wo dies nötig ist.

Bevor wir zu den technischen Schwächen und Problemen kommen, eine kurze Pro-und-Contra-Übersicht. Für diejenigen, die sich noch gar nicht mit Facebook auskennen (und z.B. über eine Nutzung für ihre Firma nachdenken) noch folgende Erläuterung:
Facebook ist als Netzwerk für Menschen konzipiert worden, also für reale (bzw. juristisch ausgedrückt: natürliche) Personen. Firmen, Vereine, Behörden, Fanclubs etc. waren da zunächst nicht im Blick, und das merkt man vom Aufbau her bis heute. Wer auf Facebook aktiv werden möchte, muss sich als Person anmelden – mit seinem wahren, vollständigen Namen (Pseudonyme sind nicht erlaubt) und Geburtsdatum. Damit hinterlegt man ein persönliches Profil, das Ausgangspunkt für alle weiteren Aktivitäten ist.
Danach kann man auch Seiten für seine Firma, den Sportverein oder sonstiges anlegen. Diese Angebote werden nachfolgend wie bei Facebook üblich als „Seite“ bezeichnet. Der Unterschied ist eminent wichtig, wie unten bei den Schwächen von Facebook weiter ausgeführt wird. Kontakte zu anderen Facebook-Usern z.B. kann man nur mit seinem persönlichen Profil (also als Mensch) knüpfen, nicht als „Seite“ (Firma / Organisation).
Die unten stehende Liste von technischen Schwächen wird man in weiten Teilen nur verstehen können, wenn man Facebook schon nutzt.

Pro Facebook Contra Facebook
Private Nutzung
-auf dem Laufenden bleiben-neue Impulse-„Nachrichten kommen zu mir“ (was wichtig ist, darüber sprechen meine Freunde bzw. „Seiten“)

-Freude, Unterhaltung, Witz, Netzwerkgefühl

-einfache Terminabsprachen etc.

-Transparenz

– Chat als niederschwellige Kommunikationsform

-vieles wird öffentlich, nicht 100% rückrufbar-Beziehungen (und Nicht-Beziehungen) werden sichtbar (selbst bei striktester Privatsphären-Einstellung)-Suchtpotential

– gaukelt Beziehungen vor (Zitat: „Boh, eine Stunde offline und 15 neue Nachrichten für mich – man bin ich wichtig.“)

-Zeitverschwendung für viel Blabla

– ungewollte Transparenz

-Mega-Datenpool für Wirtschaft, Geheimdienste, Versicherungen etc. (der Daten-GAU wird kommen)

Geschäftliche Nutzung
-da sind unsere „Kunden“ / „Fans“ / Mitglieder / Kritiker /-kostengünstig (nur Personal)-Wettbewerber sind auch da (Kampf um die Ressource Aufmerksamkeit)

– FB wird momentan für immer mehr Menschen die wichtigste digitale  Informationsquelle

– wer nicht bei FB ist, ist nicht

– Meinungsfreudige Repräsentanten (Geschäftsführer, Journalisten etc.) finden hier tolles Forum

 

 

– Institutionenseiten spielen geringe Rolle, werden wenig genutzt- Öffentlichkeitsarbeiter muss FB-affin sein, sonst besser lassen-Böse und idiotische Kommentare bei offener Pinnwand

– Zeitfresser

– Verzerrung der Wahrnehmung: was bei FB heftig diskutiert wird oder Top-Thema ist, muss gesamtgesellschaftlich noch lange nicht von Relevanz sein

Was im einzelnen alles nett ist an Facebook, will ich hier nicht weiter vertiefen – da wird jeder anderes „toll“ finden und entsprechend nutzen.
Im Hinblick auf die professionelle Kommunikation mit Facebook ist es wichtiger, die vielen Schwächen der Software zu kennen. Sie machen in der Summe klar, dass es Facebook nicht darum geht, digitale Kommunikation stand of the art zu ermöglichen, sondern ein Geschäft zu betreiben, bei dem man den Kunden notgedrungen auch ein paar Annehmlichkeiten bieten muss, damit sie bei der Stange bleiben. Deutliche Veränderungen sind hier eigentlich nur über Konkurrenzdruck zu erwarten – wobei dann vermutlich gleich der Wechsel zum besseren Anbieter stattfindet. Das entscheidende Argument für Facebook ist allerdings die unglaubliche Masse an Kunden, die es jedem neuen Angebot sehr schwer machen wird. Denn ein Netzwerk lebt von der Anzahl seiner Knotenpunkte, eben von den Teilnehmern / Kunden.

Die ursprünglich hier unten folgende Mängelliste habe ich nun ausgegliedert: Facebook Mängelliste (technische Schwächen)

Zum Thema siehe auch: Facebook Guidelines für kirchliche Öffentlichkeitsarbeit

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