Facebook Mängelliste

Technische Schwächen von Facebook

1. Handling / Grundlegendes:

– Es gibt keine brauchbare Suchfunktion. Man  kann nicht nach Notizen / Pinnwandeinträgen suchen, nicht nach Themen, nicht nach Absendern/Autoren. Selbst die Suche nach anderen Teilnehmern, das Wichtigste in einem solchen Netzwerk überhaupt, ist rudimentär: außer dem Namen kann man nichts eingeben (in der Freunde-Suche gibt es Erweiterungen für Heimatort, Wohnort, Schule und Arbeitgeber). Vieles wird nicht gefunden, obwohl vorhanden. Es ist meist ergiebiger, bei google „facebook.com + gesuchter Name / Institution“ einzugeben, als bei Facebook selbst zu suchen.

– Es gibt auch keine Sortiermöglichkeit der Suchergebnisse (die sich nur auf Profilnamen beschränken), etwa nach Aktivität, letztem Update oder einem der vielen im Profil automatisch gespeicherten Informationen zu Hobbys und Interessen (diese Möglichkeit gibt es nur innerhalb eines Freundesverzeichnisses).

– Neue Kommentare werden auf der Pinnwand bzw. in einer Gruppe nicht hervorgehoben. Es gibt einen Hinweis unter „Nachrichten“, aber ansonsten hat man einen großen unübersichtlichen Block vor sich.

– Es gibt keine Möglichkeit, Reaktionen  auf eigene Kommentare mitgeteilt zu bekommen (u.a., weil Facebook keine sinnvolle Verschachtelung der Kommentare zulässt (nur zwei Stufen, in Gruppen gar keine), also nicht offensichtlich ist, wer auf wen reagiert – was gerade bei gut frequentierten Beiträgen sehr unübersichtlich ist und Dialoge fast unmöglich macht).

– Es gibt keine Formatierungsmöglichkeiten für Beiträge (Texte), z.B. ein fettes Stichwort, eine Überschrift, Aufzählung – irgendwas, um zu strukturieren und es übersichtlicher und lesefreundlicher zu machen.

– Die Suche nach Nachrichten bzw. Beiträgen ist in Facebook de facto überhaupt nicht möglich. Dies ist für die professionelle Kommunikation besonders enttäuschend.
Zwar gibt es einen Suchfilter „öffentliche Beiträge“, doch dahin zu gelangen ist eine Kunst für sich und die Trefferliste gibt nur ein winziges Bruchstück der vorhandenen Inhalte wieder, Detailsuchen und Sortierungen sind nicht möglich. Vor allem kann man nicht in seinen eigenen Beiträgen suchen – womit der eigene Output nicht als Archiv zur Verfügung steht.

– Die Individualisierungsmöglichkeiten sind sehr beschränkt. Das Chronik-Layout etwa war ja eine akzeptable Idee – für die, die das wollen. Doch Facebook führt die neue Optik und Technik gleich verpflichtend für alle 1 Milliarde Nutzer ein, anstatt hunderte Layouts zur Auswahl anzubieten (wie man das etwa von WordPress kennt).

– Der Umgang mit den Kunden  ist in weiten Teilen eine Zumutung. Was FB alles löscht, plötzlich unerreichbar macht, verändert ohne ein Wort zu sagen – das allein müsste für einen Boykott reichen.

2. Datenschutz:

– Es gibt keine Einzelselektion, welche anderen Seiten man öffentlich auf seiner Pinnwand haben möchte (geht nur alle oder keine).

– Begriff „Fan“ bzw. „gefällt mir“ führt in die Irre, wenn ich Seiten abonniere, weil ich sie lesen muss (obwohl ich sie doof finde). So wie im privaten Bereich ja längst nicht alle Netzwerkpartner „Freunde“ sind, sondern eben schlicht „Kontakte“, sind die Abonnenten einer Seite auch erstmal nur „Abonnenten“ (nichtmals „Leser“, weil das meiste ohnehin ungelesen im Nachrichtenstrom verschwindet).

– alle Freunde können sehen, wenn man online geht. (Danach kann man das dann manuell ändern – bei mobiler Nutzung nicht.)

– Von seiner hässlichen Seite zeigt sich Facebook z.B. im Juni/Juli 2012, als User plötzlich aufgefordert wurden, den Namen eines Freundes (Kontakt) zu bestätigen oder als Fake zu melden.

– Facebook macht es einem an vielen Stellen unnötig schwer, Daten zu löschen. So wird jede empfangenen und geschriebene Nachricht (Chat/Kontakt) gespeichert. Löschen muss man jede „Unterhaltung“ einzeln, es gibt keine Möglichkeit, einfach alle gespeicherten Nachrichten zu löschen. Und in den Archiven von Facebook verbleiben sie.

– Gezieltes Posten an selbstdefinierte Gruppen offenbart den Mitgliedern alle Namen. Man kann also seine Kontakte nicht in Gruppen wie „Kinder“, „Jugendliche“, „Arbeitskollegen“, „Vereinskumpels“ etc. aufteilen und gezielt an diese posten, ohne dass man dann alle Empfängernamen offenlegt. Damit wird ein ganz wesentlicher Teil von Kommunikation unmöglich gemacht oder zwangskommunisiert.

3. Pinnwand/ Chronik

– Beim „Teilen“ eines Links wird die Kommentierung / Moderation des Erstautors nicht übernommen; das führt z.T. zu verwirrenden bis nutzlosen Weiterleitungen.
Beispiel: Jemand schreibt „Habt ihr dieses Video schon gesehen? Dagegen müssen wir doch protestieren…“. Teilt man nun diese Information mit seinen Lesern, wird nur das Video weitergeleitet, nicht der Kommentar „Habt ihr ….“. (Ausführlich nochmal kritisiert hier)

– Beim Kommentieren von Beiträgen mit Link-Einfügung gibt es keine Möglichkeit, das von Facebook verwendete Vorschaubild auszuwählen (wie dies bei eigenen Posts – manchmal – möglich ist). Dadurch werden oft sinnfremde Bilder und Beschreibungstexte angezeigt.

– Ältere Beiträge von abonnierten Seiten sind im eigenen Nachrichtenstrom (Pinnwand) nicht mehr sichtbar (die Liste endete vor Einführung der Chronik  stets mit dem Satz: „Weitere Nachrichten können nicht angezeigt werden“, inzwischen steht am Ende eine Facebook-Werbung). Schon was man also vorgestern gelesen hat und sich nochmal anschauen will findet man auf diese Weise nicht mehr.

– Facebook kommt mit der Sortierung von Beiträgen regelmäßig technisch nicht klar. Bestimmte Posts werden immer wieder angezeigt, quasi alle paar Zeilen, auch bei gesetzem Filter „neuste Nachrichten zuerst“ wird keineswegs immer nach Datum sortiert.

– Eine praktikable Funktion, Nachrichten zu abonnieren, bietet Facebook weiterhin nicht. Alles wird gefiltert. Wer etwa kontinuierlich die Nachrichten von mehreren Seiten lesen will, sollte diese auf Twitter abonnieren – und dann ggf. auf FB antworten bzw. die Information dort weiterleiten.

4. Arbeiten mit „Gruppen“

– Praktisch nichts von dem, was seit 15 Jahren im Bereich Foren- und Blogtechnik entwickelt worden ist, stellt Facebook zur Verfügung:

– Man kann Beiträge nicht formatieren (Überschrift, Schlagworte etc.)

– Beiträge sind nicht änderbar (was gerade bei Gruppen = Diskussionen / Organisationsabläufen sehr wichtig wäre, z.B. mit einem vorangestellten „erledigt“ oder „Aktualisierung….“).

– Es gibt keine verschachtelten Kommentare, sondern sie erscheinen stur untereinander (ohne Nummer oder andere Gliederungshilfe). Wenn man sich also auf einen Kommentar zehn Beiträge weiter oben beziehen will, wird es unübersichtlich.

– Es gibt keine Markierung, welche Beiträge neu sind, welche ich als User noch nicht gelesen habe. Stattdessen gibt es einmal einen „globalen Hinweis“ auf alle neuen Beiträge, der aber mit dem ersten Klick verschwindet. Gerade in umfangreichen / lebhaften Gruppen wird das schnell sehr unübersichtlich und es werden wichtige Neubeiträge nicht zur Kenntnis genommen.

– Gruppen lassen sich nicht weiter untergliedern, etwa in Themen, Projekte etc.

In all diesen Punkten ist jede Forensoftware Facebook weit überlegen. Das einzige aber sehr gewichtige Argument für Facebook ist wie immer: hier sind bereits „die Leute“, man muss sie nicht erst „auf seine Homepage“ holen. Der Vorteil von offenen Gruppen gegenüber Seiten ist, dass man die Teilnehmer einladen kann (indem man eigene Freunde in die Gruppe hinzufügt), so wird man in den meisten Fällen sehr schnell eine große Gruppe bzw. alle wichtigen Leute beieinander haben, während man auf den freiwilligen „gefällt mir“-Klick bei einer Facebook-Seite sehr lange warten kann (zeigt die Praxis in sehr unterschiedlichen Projekten).

5. Arbeiten als „Seite“ (Institution/Firma)

-Abonniert man als Seite per „gefällt mir“ eine andere Seite, wird dieses nicht als „Fan“ gezählt.

– Da alle Seiten, die man als Personen liked, im persönlichen Profil als Sonstige Aktivitäten  angezeigt werden, was auch nicht über die „Privatsphäre Einstellungen“ zu unterdrücken ist, sollte man sich genau überlegen, welche Seiten man abonniert und welche man sich lieber extern auf eine Leseliste setzt.

-Man kann immer nur mit einem Account angemeldet sein. Es geht z.B. nicht, als Personen seinen Chat geöffnet zu haben und derweil als Admin einer Seite zu arbeiten – vom Parallelbetrieb mehrerer Personen-Accounts ganz zu schweigen (nach den Facebook-Richtlinien ist es natürlich auch gar nicht erlaubt, mehrere Accounts zu haben, aber nicht selten wollen oder sollen mehrere Menschen einen Computer gemeinsam nutzen, z.B. in der Schule, bei Seminaren, bei Treffen mit Freunden im echten Leben).

– Es gibt keine Bookmarks. So könnten sich Seiten-Administratoren durchaus interessante und öffentlich lesbare Personen-Seiten regelmäßig anschauen (da sie sich mit diesen ja nicht befreunden können, sie also nicht in ihren News-Feed bekommen). Solche Bookmarks müsste man derzeit extern organisieren (im Browser, einer Textdatei o.ä.)

– Die Abonnenten (Fans) einer Seite kann man als Seitenbetreiber (Administrator) nicht vollständig einsehen. Bei einer großen Zahl von Fans (Followern / Lesern) werden nur die aktuellsten bzw. zuletzt beigetretenen angezeigt, ältere kann man nicht verwalten (z.B. blockieren). Ferner ist nicht erkennbar,  wer als Fan (Abonnent) abspringt („gefällt mir nicht mehr“). Wer das verfolgen will, muss sich regelmäßig die Liste seiner Abonnenten kopieren und speichern. Aus Datenschutzsicht ist dagegen natürlich nichts einzuwenden – dann allerdings dürften auch die Abonnenten nicht angezeigt werden – dem steht allerdings die grundlegende Netzwerkidee entgegen.

– Als „Seite“ (also Institution, Organisation, Firma etc.) kann man weder Personen noch anderen Seiten Nachrichten senden, man kann auch keine Termine / Veranstaltungen anlegen – dies geht jeweils nur als Person, also mit dem privaten Account.

– Selbst nach Einführung der „Abonnement“-Funktion für private Profile können Seiten diese nicht abonnieren, sprich: eine Institution (Greenpeace, Gewerkschaft, Schuhmacher) kann keine Beiträge von Personen kommentieren oder weiterleiten, auch wenn diese öffentlich sind. Facebook baut weiterhin eine völlig unsinnige Schranke zwischen Profilen  und Seiten.

– Seiten können auch keine Interessenlisten anlegen, sie können also den Nachrichtenstrom nicht sinnvoll kanalisieren (z.B. eine Liste mit „wichtige Newsmagazine“, eine Liste mit „regionale Seiten-Kontakte“ etc.). Stattdessen unterliegen alle abonnierten Nachrichten dem Facebook-Edge-Rank. Mit wem man nicht regelmäßig interagiert, von dem wird einem nichts mehr angezeigt. Die Auswahl, die Facebook trifft, ist brutale Bevormundung.

– Die Liste der (per „gefällt mir“) abonnierten Seiten lässt sich nicht sortieren (nach Datum, Alphabet, Aktualisierung o.ä.).

– Auch von öffentlichen Seiten und Profilen erlaubt Facebook RSS-Feeds nur mit Anmeldung, verweigert also bewusst den Zugriff auf die vorhandenen öffentlichen Daten mit dieser etablierten Technik (es gab immer mal wieder Lücken, wie man es doch hinbekommt, derzeitiger Stand ist aber wohl: es geht nicht ohne App)

– Als Seiten-Betreiber hat man kein Archiv zur Verfügung, es gibt kein „Aktivitätenprotokoll“ wie beim privaten Account und man kann sich seine eigenen Beiträge nicht gesammelt speichern. Was man als Seite auf anderen Seiten geschrieben hat ist nicht mehr nachzuverfolgen. Es gibt keinerlei Überblick zu den Kommentaren und anderen Gesprächen.

6. Private Nutzung

– Freunde sind immer wenigstens teilweise sichtbar (selbst wenn man alles auf „nur für mich sichtbar“ stellt, werden  gemeinsame Freunde angezeigt); man offenbart mehr, als man möchte.

-Minimaler „Datenschutz“ wäre, dass ich alleine darüber verfüge, wo mein Namen und mein Foto auftaucht. Dem ist aber nicht so.
Stellt einer meiner Freunde sein Profil so ein, dass die Feundeliste für jeden sichtbar ist, bin damit auch ich automatisch sichtbar, und zwar mit dem Profilbild und dem Profilnamen.

– Kommentare auf Seiten sind immer öffentlich sichtbar, d.h. mit Namen (muss ja der Realname sein) und Foto. Vielen Nutzern ist das nicht bewusst, sie wähnen sich noch in einem „geschützten Netzwerk-Raum“. Dabei ist das Geschriebene eben für jeden auch außerhalb von Facebook sichtbar.

– Wenn ich eine Seite abonniere („gefällt mir“), kann das jeder meiner Freunde sehen.

7. Kleinigkeiten + Ergänzungen

– Facebook akzeptiert keine Umlaute in der URL (z.B. als Angabe der eigenen Homepage)

– Einzelne Beiträge sind nicht mehr sparat unter ihrer URL darstellbar (z.B. zum Ausdrucken und besseren Verlinken); ebenso ist es mit einzelnen Kommentaren.

(aktualisiert am 3. Mai 2013 und am 2. Oktober 2016)
(war ursprünglich Bestandteil der Liste „Facebook Stärken und Schwächen“)

Siehe zum Thema auch: Facebook für kirchliche Öffentlichkeitsarbeit

Summary: Da Facebook nicht Kommunikation ermöglichen, sondern Werbekontakte verkaufen will, wird es sicherlich niemals eine attraktive Community-Software betreiben.

Es kann nicht mehr lange dauern, bis ein freies Peer-to-Peer-System kommt, in dem frei Module miteinander verknüpft werden können, in dem Daten verschlüsselt und nicht von den amerikanischen Geheimdiensten ausgelesen werden. Mark Zuckerberg hatte ja trotzdem eine geniale Show (und man würde ihn ja gerne für genial halten, wenn sein System nicht so grottenschlecht wäre).

Letztlich dürfen wir uns aber wie immer über die Politiker aufregen, die die Entwicklung völlig verpennt haben und danach wegen ihres Markt-Credos auch weiterhin auf den Aufbau öffentlicher Netzwerke und Suchmaschinen verzichtet haben. Nun beklagen sie unsere Abhängigkeit von zwei amerikanischen Giganten.

 

Print Friendly

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.