Ja wen wählen sie denn, die Schlauen?

Die Zeit hat „Künstler und Intellektuelle“ gefragt, welche Partei sie am 22. September wählen werden; 48 haben zitierfähig geantwortet.

Das kann natürlich nicht im Geringsten repräsentativ sein, weil zu „Künstlern und Intellekutellen“ wohl mehr gehören als die aufgeführten Schriftsteller und Bühnenschaffenden – und die Redaktion nicht verrät, wie viele (und genauer: wer) nicht geantwortet hat, es ist vielleicht nicht mals ein gelungener Streifzug durch die politische Denkwelt der Denker, aber es ist doch aufschlussreich, oder eher: bestätigend.

Ein klares, aufrechtes und überzeugendes Bekenntnis zu einer Wahlpartei legt nämlich so gut wie niemand ab. Die meisten zieren sich, schwurbeln um eine Aussage herum. Manch einer versucht es wenigstens mit Witz (oder gespielter Senilität). Viele zeigen sich unentschlossen – was ja für eine nach dem 22. September zu bildende Regierung in jedem Fall nichts Gutes heißt.

Keiner favorisiert die Piraten. Niemand eine „Kleinstpartei“. Mainstream auch bei den „Künstlern und Intellektuellen“. Und wo es doch ein wenig empathisch wird: Egoismus. Da hängt die Wahl einer Partei mit Erteilung der absoluten Vollmacht dann davon ab, wer den Künstlern und Intellektuellen am meisten Geld verspricht.

Und die Tatsache, dass Steinbrück und Merkel nicht als Kanzler wählbar sind (nicht einmal als Abgeordnete mit Gewissheit, Steinbrück sogar eher mit Gewissheit nicht) ist bei den Denkern auch noch nicht angekommen. Weil morgen zunächst in Bayern gewählt wird: 2008 trat für die CSU Günther Beckstein als Spitzenkandidat an, Ministerpräsident wurde nach der Wahl aber Horst Seehofer. 2007 hatte der „gewählte“ Ministerpräsident Edmund Stoiber sein Amt niedergelegt, an seiner Stelle wurde – ohne Beteiligung der Wahlbürger – Beckstein Ministerpräsident.

Und im Blick auf Berlin: In der Großen Koalition von 2005 bis 2009 fehlte bekanntlich der gewählte Spitzenkandidat der SPD namens Gerhard Schröder.

So sehr also wählen die Wähler ihre Oberhäuptlinge.

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