Klerus hält ökumenisch zusammen

Die Exkommunikation der katholischen Kirchenreformerin Martha Heizer wäre mir ob der Konfession völlig piepegal – hätte sich nicht Pfarrer Thies Gundlach sehr befremdlich zu Wort gemeldet. Gundlach wird gerne „Cheftheologe der EKD“ genannt und ist Vizepräsident des Kirchenamtes.

Laut epd bekundet Gundlach Verständnis für die Strafmaßnahme des katholischen Klerus und sieht in der Feier des Abendmahls ohne Pfarrer offenbar auch im evangelischen Raum eine schwere Sünde: „Es kommt darauf an, dass eine von der Gemeinschaft der Glaubenden berufene Person die Sakramente Taufe und Abendmahl ordnungsgemäß einsetzt“,
Ich will jetzt bestimmt nicht die langweilige Diskussion aufnehmen, dass Jesus wohl keine ordinierten Pfarrerinnen für das Abendmahl gefordert hat. Aber nehmen diese theologischen Oberbeamten eigentlich die Realität zur Kenntnis? Bei meinem erstes Abendmahl ohne Pfarrer war ich wohl 15. Wir hatten bei unseren Agapemahlen selten einen evangelischen Pfarrer dabei, und wenn nur als Gast, nicht als denjenigen, der die Einsetzungsworte spricht. Mit dieser gelebten Religiosität hat unsere Gemeindejugend sogar die widerborstigsten Kirchenvorsteher beeindruckt. Allein einem katholischen Kaplan mussten wir mal zugestehen, dass er das Agapemahl nicht als Abendmahl verstehen muss – sonst hätte er nicht teilnehmen dürfen, und trotzdem gab es eine Beschwerde beim Bischof. Aber eben beim katholischen Bischof.
Gottesdienste, Andachten, Abendmahl ohne Pfarrer, – ja liebe Leute, das ist doch völlig normal und quasi ein religiöses Grundrecht. Und wer seinen eigenen, privaten Abendbrottisch als Abendmahl verstehen will: bitte, mehr Alltagsfrömmigkeit kann sich doch niemand wünschen.
Dass evangelische Gottesdienste auch ohne Pfarrer funktionieren müssen und dass ein „Sakrament“ keinen Schaden nimmt, wenn mal kein Kirchenbeamter darüber wacht, habe ich auch in meinen Jugendgottesdienst-Büchern vertreten, auch in jenem, das ein ausführliches Interview mit Thies Gundlach enthält. Es blieb stets unwidersprochen.

Und damit bin ich bei meiner zweiten Verwunderung, die eher eine Empörung ist. Völlig unabhängig von seiner dubiosen Ansicht: was um Himmels Willen treibt Gundlach dazu, öffentlich nachzutreten? Sein Statement heißt ja nicht weniger als: geschieht ihr recht, der Martha Heizer (und ihrem Gatten). Ist das die neue Anwaltschaft für die Schwachen (wie ich mich immer häufiger frage – siehe Wort zum Sonntag und Diakonie Berlin-Brandenburg)? Soll das Vorbild sein? Ist das evangelisches Verständnis von Kritik an den Herrschenden?

Zum Thema extern:
Bericht beim ORF
Interview mit Heizer bei Publik Forum
Ein Leserbrief im Standard

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