Google löscht Krautreporter (KW20)

# Löschpflicht: Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs C‑131/12 vom 13. Mai 2014, wonach Google zur Löschung von Verweisen verpfichtet sein soll, macht für mich wieder einmal zwei Dinge deutlich:
a) Es gibt nicht im Ansatz eine Verantwortung (von „Haftung“ will ich gar nicht sprechen) für technische Entwicklungen, hier also zunächst für die Digitalisierung grundsätzlich und dann für die digitale Vernetzung im Speziellen. Man darf etwas erfinden (klar, Freiheit der Wissenschaft), es auf den Markt schmeißen (klar, Freiheit der Wirtschaft), man darf als Politiker sehr lange pennen (klar, Berufsfreiheit des Herrschers) – und dann den vergorenen Salat bestaunen. Wenn eben nichts mehr passt, wenn hier gigantische Datenmengen gespeichert werden und dort die Pornos laufen und daneben jede menschliche Bewegung staatlich (nicht von Google) erfasst wird. Man erfindet das Auto – und hat mit den Millionen Toten (!), der Zerstörung der landschaft, der Entwertung von Grundstücken, dem Klimawandel, der Zersiedelung… schlicht nichts zu tun.
b) Urteile werden im Journalismus überwiegend verkündet, nicht berichtet. Also selbst durchdacht, gecheckt, verglichen, ergänzt, kritisiert… Man könnte ja ganz unabhängig vom persönlichen Standpunkt auf die Idee kommen, dass eine so weitreichende Entscheidung vielleicht nicht von einem Gericht getroffen werden sollte, sondern von sowas wie „Demokratie“. (Blumencrons Zustimmung verstehe ich gar nicht. Es fehlt die journalistische Komponente – und das Datensammelproblem haben wir deutlich mehr bei Behörden und Firmen aufgrund politischer Pflichten (Stichwort: Gesundheitskarte) oder Möglichkeiten.

# Krautreporter: Der Ansatz ist überraschend wenig originell. Journalisten und Autoren wollen sich von Lesern per Abo bezahlen lassen – und deshalb auf Werbung und Verlag etc. verzichten. Dazu gab es nun schon zig Versuche, sprich vor allem: Bezahlmodelle. Im Kern unterscheidet sich das Projekt gar nicht von dem, was Verlage machen: Sie sammeln Content-Lieferanten in solcher Zahl und Qualität, dass sie sich als Paket unter einer Marke verkaufen lassen. Das ist entweder Mainstream (Publikumspresse) oder Special Interest (Fachpresse). Auch bei diesem Modell hat der einzelne kleine, feine Beitrag keine Chance, die abweichende Meinung ist natürlich nicht gefragt (weil sie die Kunden eben nicht haben wollen), und es ist nur Platz für einige wenige Medien dieser Art (weil es keine regionale Begrenzung gibt und das Internet Monopole fördert). Damit ist die Idee von Krautreporter nicht schlecht – sie ist nur einfach nicht originell. Eher elitär. Aber das braucht’s ja auch im Wischiwaschinetz.

# Lewitscharoff: Zur öffentlichen Erregung über Sibylle Lewitscharoff’s „Dresdner Rede“ hatte ich seinerzeit ein Textchen begonnen, das wie so viele nicht vollendet wurde. Schon „damals“ (kurz nach dem 2. März 2014) wollte ich darin auch andere Manwirdjawohlnochsagendürfen-Verachtete streifen. Sichs gleich mit allen in einem Beitrag verkacken. Bis es dazu vielleicht doch noch kommt, als Ersatz der Videotipp: druckfrisch (nur die ersten fünf Minuten zur Dresdner Rede)

# Informationsflut: Es ist einfach viel zu viel. Die schlechte Notlösung heißt: abschalten, ignorieren – alles. Viel sinnvoller wäre natürlich „Output-Sparsamkeit“. Wenn nicht jeder meinen würde, nur durch permanentes Geplapper lebendig zu sein. Menschen, Firmen, Organisationen, Medien – alle blubbern vor sich hin. In diesem reißenden Infostrom wird alles nivellieret, große wie kleine, bedeutende wie unbedeutende Meldungen und Meinungen sind da nur Treibgut. Muss ich wissen, dass am 5. Mai „Welttag der Handhygiene“ ist?

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