Vor meiner Haustür gibt’s genug Polizei

Wir haben zu wenige Polizisten in Deutschland? Hört man ja aller Tage, parteiübergreifend (weil: viel Polizei = starker Staat = starke Politiker als Oberkommandanten).

Meine nur im ersten Teil wenig überraschende Beobachtung der letzten Jahre: auf dem hügeligen Land mag es sein,  dass mal keine Polizeistreife sofort zu Stelle ist, wenn sich zwei Jungs prügeln. Bei etwa einer viertel Million Polizisten in diesem schönen Land ist das von der Verteilung her nicht so merkwürdig, da kommen 0,7 Polizisten auf einen Quadratkilometer (mit was soll man das vergleichen? Ärzte haben wir 1 pro Quadratkilometer, Lehrer fast 2 – um mal zwei typische solidaralimentierte Berufe zu nennen).

Auf dem Dorf wartet man schon mal anderthalb Stunden, bis das dringend gerufene Polizisten-Duo auftaucht. Das kann ohne Wenn und Aber doof sein – weil zu spät. Allerdings ist im Verhältnis zur Einwohnerzahl das verfügbare Aufgebot immer noch überdurchschnittlich. (Für Feuerwehr und Rettungsdienst liegt die gesetzliche Hilfsfrist wohl je nach Bundesland zwischen 8 und 17 Minuten).

Für den Brennpunkt Neukölln (Berlin) kann ich nach mehrjähriger Privatstatistik aus dem Blickwinkel meines Ateliers sagen: normalerweise kann man nicht bis 30 zählen zwischen dem ersten Lautgebrüll mehrerer Arabisch sprechender Jünglinge und dem blaulichternen Eintreffen des ersten Polizeikommandos. Jetzt gerade hat es mir ein wenig die Statistik zerhagelt, denn es waren gute 3 Minuten – aber das ist wohl der Tatsache geschuldet, dass wir einen normalen Donnerstag haben und der Blockwart nach 23 Uhr doch ein Nickerchen gemacht hat.

Aber dann waren sie alle da, zeitgleich: fünf Streifenwagen und mindestens 2 Zivilfahrzeuge (soweit aus den Gesprächen und Handlungsweisen erkennbar), also 14 Mannfrauen. Dabei war noch nicht einmal eine Faust geflogen. Und weil die in Berlin meist nicht so gelangweilt daherkommenden Polizisten (mit kugelsicheren Westen und – ganz wichtig -: Kaugummi) auf die Schnelle auch kein Arschloch ausmachen konnten, verdünnisierten sie sich auch recht schnell wieder. Wobei “verdünnisieren” schon wörtlich gemeint ist: sie durchkreuzten den Kiez eine ganze Weile, während die Jungs sich lautstark kaputt lachten – auch das wie üblich.

perserDas schnelle Abrücken der Polizei ist insofern bemerkenswert, weil ich es auch schon oft anders erlebt habe. Da ist man dann wegen einer lautstarken Pöbelei auch mal eine Stunde beschäftigt, bis ein attraktiverer Fall ruft. Und ein mutmaßlicher Drogendealer oder Wasauchimmer lag erst unlängst eine viertel Stunde lang gefesselt am Boden –  mehr als 20 Polizeibeamte riegelten derweil die Straße ab – bis per Funk wohl so was kam wie: “Der ist harmlos” – und sich alle wieder trollten, der zu Boden gebrachte Schwerverbrecher inklusive.

Das taugt jetzt nicht wirklich zu einer quantitativen Analyse der Polizeipräsenz in Deutschland. Aber für Neukölln kann ich mit Sicherheit sagen: wer keinen Ärger mit der Polizei haben will, der sollte nachts nicht allzu laut seinen Emotionen nachgeben (tagsüber ist das unbedenklich, weil, das weiß natürlich auch die Berliner Polizei: da sind es nur die üblichen Irren, und die stinken und die packt man nach Möglichkeit nicht an).

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