Bahnkritik: Bord-Restaurant / Bord-Bistro

– Wir kennen das Geschwätz der modernen „Ökotrophologen“ (Parade-Philosoph: Prof. Dr. Georg Koscielny): richtig kochen mit rohen Zutaten könne man heute vergessen, das gäbe es nirgends mehr. Das ist natürlich Lobby-Schmarrn der „Convenience-Food-Industrie“, die uns schon sehr erfolgreich auf ihren Fraß geeicht hat, womit ihr ein gigantischer Markt zur Verfügung steht.
Wie butterbrotgeschmiert muss ein „Fernsehkoch“ Alfons Schuhbeck sein, wenn die DB ihren Aufwärm-Fraß mit ihm bewerben darf? „Küchenklassiker im Bordrestaurant modern interpretiert von Alfons Schuhbeck.“

Bevor in den Fernzügen der DB nicht wieder richtig gekocht wird, wie das früher war (als tatsächlich noch die Gasflammen hochschlugen im Inter-City), sollte sich die Kohlenhydrattankstelle nicht „Restaurant“ und auch nicht „Bistro“ nennen dürfen, sondern „Microwellenzentrum“ oder „Zur Konserve“. (Vermutlich geht auch das schlechte Essen auf Alt-Chef Mehlkäfer zurück, der ja so gerne eine Fluggesellschaft aus der DB machen wollte und eine solche dann auch mal managen durfte. Unter seiner Ägide gab es die schönen Zugansagen „wir befinden uns in der Anfahrt auf Köln“. Dass Fahrkarten personengebunden und nicht übertragbar sind, hat er sich bestimmt bei der Fliegerei abgeguckt. Die Qualität des Essens jedenfalls hat die Bahn sehr gut kopiert – nur die Temperatur ihrer Nürnberger-Microwellen-Rostbratwürstchen liegt meist noch unter dem, was hoch über den Wolken serviert wird.)

– Unabhängig von der Herstellung: macht die Portionen endlich anständig groß, zumindest auf Kundenwunsch. Der „Rheinische Sauerbraten“ mit Serviettenknödeln geht bei mir gerade mal als Vorspeise durch.

– Und auch bei den kalten Speisen darf man erwarten, dass wenigstens das Level von Schulbroten erreicht wird. Die eingepackten Sandwiches sind definitiv nicht essbar [update: inzwischen wohl aus dem Programm genommen und durch „Vollkornschnitten“ ersetzt]. Es ist nicht zu viel logistischer Aufwand, dass sich die DB am ein oder anderen Bahnhof frisch belegte Brötchen oder auch Brote, süße Teilchen und dergleichen von einem lokalen Bäcker (nicht einer mehlverarbeitenden Schwerindustrie) an den Zug bringen lässt oder dieser schicht zwischen zwei Bahnöfen mit seinem Angebot durch den Zug rollt (wie die – ausschließlich asiatischen – Brezelverkäufer mit ihrem frisch aufgebackenen Industrieprodukt).

Dass es in einem ICE am Morgen keinen Kaffee gibt, weil die „Bordgastronomie“ nicht mehr selbst „frisch brüht“ und die gefüllten Thermoskannen nicht geliefert wurden, müsste man nicht erleben, würde die Bahn an dieser Stelle auf ihr Geldverdienmonopol verzichten und die kleinen Einzelhändler und Familienbetriebe zum Zug kommen lassen. (Um dies noch zu erleben, muss man auf unserem Kontinent wohl mit der Transsibirischen reisen…)

– Bei den Getränken muss man sich übrigens auch nicht an die Weltkonzerne hängen.
Und ein halber Liter Wasser darf niemals nicht 2,80 Euro kosten. Das ist nicht Wucher, das ist schlicht ein Arschtritt in die Menschenwürde. Zumal wenn das Transportgut im Sommer alleine deshalb Durst leidet, weil sich in keinem neuen DB-Zug mehr ein Fenster öffnen lässt und es in dem daher heißen und stickigen Zug schlicht zerfließt.

– Die rollende Minibar ist keine grundsätzlich schlechte Idee, auch wenn mir die Mitarbeiter oft leid tun, wie sie wirklich schuften müssen für eine handvoll Peanuts. Leider ist die Minibar aber völlig unzuverlässig. Wenn ich eine Fahrstrecke von anderthalb Stunden habe un in dieser Zeit gerne zwei Kaffee trinken würde, die Mini-Bar aber nicht einmal in Sichtweite gerät (und weitreichenderes Nachforschen käme einer Aufgabe des hart erkämpften Sitzplatzes gleich), ist das schlicht ungenügend.

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