Demokratie und Tod

Kurze Anmerkungen zur “Sterbehilfedebatte”:

1) Um was geht es eigentlich? Um ein Verbot. Das Verbot der (aktiven) Sterbehilfe, letztlich aber sogar das moralische Verbot des Suizids. Es geht nicht um Paliativstationen und Hospize etc. – das ist ein völlig eigenes Thema (mit gehöriger Ökonomie).

2) Und damit geht es ganz grundsätzlich um die Freiheitsfrage: Darf ich mit mir machen was ich will – oder braucht es einen paternalistischen Staat (bestehend aus weisen Politikern und noch weiseren Verwaltungsbeamten)? Die Antwort der Politik, der Gesetzgebung ist klar: natürlich darfst du nicht mit dir machen, was du willst. Deshalb gibt es Drogenverbote, Vorsorgeuntersuchungen, Helmpflicht und so weiter. Wie absurd also zu glauben, du dürftest nach eigenem Gusto aus dem Leben scheiden.

3) Ob dieser grotesken Politik stellt sich dann die noch grundsätzlichere Frage: Was eigentlich Demokratie sein soll und ob das, was wir hier erleben, damit irgendwie verwandt ist?

Ausführlicher dazu: Der verbotene Tod

* Es braucht kein Gesetz, meint Peter Mücke, ARD. Wie viele andere übersieht er aber, dass die Selbsttötung zwar theoretisch möglich, praktisch aber doch vor enormen Problemen steht, von der Methodik bis zur Ästetik.

* Thorsten Denkler (SZ) schreibt in seinem Pro-Sterbehilfe-Beitrag wie üblichen aber furchtbar falsche: “Die Kirchen haben eine andere Haltung. Sie sehen Gott als alleinige Instanz, die über Leben und Tod entscheiden darf.”
Nein, “die Kirchen” haben da gar keine Haltung, allenfalls äußern sich einige Kleriker dazu und es gibt diverse Stellungnahmen klar benannter Autorengruppen. “Die Kirchen” als Mitgliederorganisationen sind wohl immer noch recht nah an “der Gesellschaft” – und die befürwortet wenigstens unter bestimmten Umständen die Hilfe zum Freitod.
Und nein, “die Kirchen” sehen natürlich Gott nicht als die Instanz an, die allein über Leben und Tod entscheiden darf. Manch schlechte Predigt mag so klingen, aber so Banane ist kaum ein Protestant. Denn auch Gläubige wissen: Das Leben beginnt mit einem sehr menschlichen Akt. Unterbleibt er, gibts auch kein von Gott geschenktes Leben. Und gegen angebliche Gottesentscheide über das Ende des Lebens haben schon Klöster Kranke und Verletzte aufgenommen, heute gibt es gar ganze evangelische Krankenhauskonzerne.

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