Programmierer (2)

Programmierer können, wenn wir Glück haben, programmieren. Was sie aber auf gar keinen Fall können: Programme entwickeln. Das wäre unschädlich, wenn Programmierer selbst nicht – genetisch disponiert – vom Gegenteil überzeugt wären. Sie halten sich, auf ihre technischen Programmierkenntnisse rekurrierend, sogar für die einzigen, die Computerprogramme entwickeln können, weil sie ja quasi als Computer denken, was er kann und was nicht und wie er’s macht.

Und deshalb gibt es auf der Welt kaum taugliche Programme. Spätestens mit dem dritten Update ist alles unbrauchbar. Deshalb sind heute von der Textverarbeitungssoftware über den Küchenherd bis zum Auto alle Geräte, an denen Programmierer auch nur kurz herumpfuschen durften, Terrorwaffen.

Lange war ich der Ansicht, man könne kein unbrauchbareres Programm zur Widergabe digitaler Musik aus dem Internet schreiben, als wir es bei Napster bestaunen dürfen. Doch seitdem mich ein Sohn überredet hat, „Spotify“ auszuprobieren, weiß ich: Auch Nullen sind potenzierbar.

Was sollte so ein Musikabspielprogramm können? Vielleicht: Musik abspielen. Voilà. Und wie macht man das? Orientieren wir uns mal an der analogen Welt: Plattenschrank überfliegen, Platte rausnehmen und von vorne oder ab einem bestimmten Lied starten. Wenn man nur „Hits“ hören möchte, kann man auch zu den Singles greifen und zehn Platten auf einmal auflegen (diese Form der analogen Playlist darf der Generation Sohn ruhig eine „Urban Legend“ bleiben). Die ganze Ausstattung wollen wir natürlich noch mit auf Reise nehmen können, wozu wurde schließlich die Batterie erfunden.

Spotify ist mit dieser Anforderung vollständig überfordert. Warum? Weil Programmierer die Software entwickelt haben, anstatt dass ihnen ein beliebiger Musikhörer kleinschrittig erläutert hat, wofür zu zahlen man gedenkt: nämlich digitale Musik aus dem Internet hörbar zu machen. Eben Platten abzuspielen. Ohne diese Anleitung aber ist natürlich eine Terrorwaffe entstanden.

Es ist müßig die Details aufzuzählen. Sagen wir einfach: die wenigen Dinge, die bei Napster bis heute zu meiner großen Verwunderung noch funktionieren sind in Spotify erfolgreich sabotiert.

Lasst Programmierer Code hacken, aber niemals, niemals, niemals eigenständig etwas entwickeln!

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