Das Geschäft mit den Problemen

tomtom

Heute umgezoge auf die ewig grüne Aue.

+ Lügen- und Verschweigepresse. Stephan Ruß-Mohl schrieb dazu schon 2008:
„Wir begegnen zum ersten Mal dem Gesetz der Omertà: Ähnlich wie politisch Mächtige gerade dann und dadurch mächtig sind, dass sie die Macht zum Nichtentscheiden haben (vgl. Bachrach/Baratz 1977), besteht Medienmacht auch darin, Themen aus der öffentlichen Agenda herauszuhalten. Dabei wird solches nonreporting wohl kaum je von oben explizit verfügt, sondern ergibt sich eher durch vorauseilenden Gehorsam und die ‚Schere im Kopf‘ der Journalisten selbst.“
(Das Gesetz der Omertà – Über das Paradigma der Ökonomik und den Scheinwiderspruch von Qualität und Quote; in: Pörksen/ Loosen/ Scholl (2008): Paradoxien des Journalismus – Theorie, Empirie, Praxis; Festschrift für Siegfried Weischenberg; Wiesbaden: VS Verlag, S. 100-122)

+ Die Begriffsverarschung der DB wird so richtig deutlich, wenn man im ICE mit der Ansage beglückt wird: „Wegen einer Zugüberholung wird sich unsere Weiterfahrt noch ein wenig verzögern.“
(5 Minuten später, immer noch im Bahnhof stehend, folgte allen ernstes die Ankündigung einer zweiten Zugüberholung. Es müssen Supertuper-ICE-plus gewesen sein. Oder Flugzeuge.)

+ „Familie Braun“, eine Nazi-Persiflage, lässt sich ganz gut an. Teil 1; Teil 2; (ZDF-Mediathek). Oliver Jungen meckert in der FAZ, das ganze habe keinen Tiefgang und sei „eine unfassbar platte Comedy-Serie“. Ja was, lieber Kollege, soll es denn sonst sein? Öffentlich-rechtliche Aufklärung, „Hintersinnig, historisch versiert, schauspielerisch überzeugend“? Mit Verlaub, mir wie den meisten Deutschen muss niemand die Braunen erklären, sie demontieren, widerlegen oder sonstwas. Und aktuelle Nazi-Witze gibt es wirklich zu wenige. Also packen wir einen alten Flüsterwitz aus: „Was ist ein Arier? Das Hinterteil vom Proletarier.“ Apropos „Flachwitz“, noch was aus der guten alten Zeit: „Berlin ist eine Stadt der Warenhäuser, denn da waren Häuser.“

Und noch ein paar Nachträge aus letzter Zeit (ich weiß schon, warum ich NIE begonnen habe, ein Tagebuch zu schreiben, und der einzige ähnliche Versuch  ein „Fahrtenbuch“ zum vierwöchigen „Tramper-Ticket“ der Bahn als 17-Jähriger -, blieb äußerst lückenhaft und wurde natürlich nie vervollständigt…).

+ Ganz spritzig die aktuelle Kolumne von Sibylle Berg. In der Polemik bin ich „ganz bei ihr“. Nur ihre Grundannahme bleibt ein Dogma: „Das Privileg, relativ sicher und in Ruhe zu leben, war ein zufälliges, und das ist nun weg. […] Wir werden unser verschontes, privilegiertes Leben nicht wiederbekommen, so sehr viele auch zetern und mit Transparenten irgendwo herumkrakeelen.“
Wo gab es dieses Leben, wer hatte es?
Das Leben ist Palaver, schon immer. Da wurde über den drohend hinter der Berliner Mauer hervoräugenden Iwan palavert, über ungezogene kiffende Zottel, über den alles beherrschenden Terror (jahrelang hat dies eine winzige deutsche Truppe allein besorgen müssen), es gab Palaver über den kapitalistischen Ökotod und immer wieder über den deutschen Neo-Nazi (aktuell ohne griechisches Präfix) wie den Ausländer…
„Das Problem ist der Mensch, der in allen Facetten des Irrsinns hergestellt wird„, sagt Sibylle Berg und grüßt damit sicherlich den verehrten Kaspar Hauser, weshalb ich reflexhaft nur zustimmen kann – und ergänze: Die problematischsten Menschen sind jene, die den Menschen mit seinen Problemen zum Geschäft gemacht haben: Ärzte, Banker, Beamte, Politiker, Polizisten, Soldaten, – und Journalisten natürlich.
Der Weg zur Glückseligkeit ist daher ein bislang nicht ausgekundschafteter Pfad, querfeldein, vorbei an all diesen Wegelagerern, an dessen Ende ein Hort für den Menschenverstand mit jeder seiner Facetten des Irrsinns wartet – als Kollektivtherapeutikum.

+ Göring-Eckardt bezeichnet sich und den Rest des Personals ernsthaft als „politische Klasse“. Die Grüne Dame (Wortspiel für Fortgeschrittene), die ehemalige Präses der evangelischen Kirche.
Hat „politische Klasse“ eigentlich schon eine ICD-10-Nummer?

+ Warum Fahrradfahrer nicht an rote Ampeln halten sollten (Mopo)

+ Weitere meiner kleinen Notizen finden Sie über das Schlagwort „Wochensammler„.

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