Die unverbindliche Bahn und Versandhandel am Automaten

 + Was die DB so unter „unverbindlich“ versteht: Bahncard 100 wie abgebildet für nur 2.249 EUR, gültig 3 Monate, ohne Rücktrittsrecht oder sonstwas, natürlich im Voraus zu zahlen. Ein lustiges Angebot, „unverbindlich“ die teuerste Fahrkarte der DB zu testen. Mehr Verbindlichkeit geht wohl nicht. (Aber den Preis erfährt man ja auch erst ganz am Ende, wenn man sich durch alles durchgeklickt hat…)

+ Anlässlich des Winterfahrplans der DB und den vielen Problemen überall, vor allem aber auch auf der neuen Schnellfahrstrecke Berlin-München, verweise ich mal auf das erstklassige Modell eines aleatorischen Fahrplans, mit dem definitiv jeder zu einem Ziel gelangt – früher oder später sogar zu seinem.

+ Manchmal geht eine Wahl so knapp aus, dass Wahlwerber damit im Nachhinein beweisen wollen, dass doch tatsächlich jede einzelne Stimme zählt und nicht etwa in einer Millionen-Stimmen-Masse untergeht. Aktuell wird sogar in Deutschland eine an sich kleine und unbedeutende Geschichte aus Virginia erzählt, wo die erste Auszählung im 94. Wahlbezirk 11.608 Stimmen  für die Demokratin zu 11,607 für den republikanischne Bewerber ergab. Eine Neuauszählung ergab nun ein Patt, so dass der Wahlsieger ausgelost werden wird, wohl per Münzwurf.
In Wahrheit zzeigen knappe Wahlausgänge nämlich nicht, dass die einzelne Stimme wichtig ist, sondern dass im Ergebnis viel Zufall mitspielt. Oder anders gesagt: sich darauf zu berufen, eine Mehrheit habe etwas so oder so gewollt, und wenn diese Mehrheit auch denkbar  knapp ist, hat mit Demokratie nicht viel zu tun.

+ Eine bekannte Versandapotheke darf keinen Medikamenten-„Automaten“ aufstellen, hat nun das Landgericht Mosbach weise entschieden. Grund für die Entscheidung ist nicht die Mangelnde Beratung – sondern der Buchstabe des schlauen Gesetzes. Denn obwohl die ausschließlich nicht-verschreibungspflichtigen Medikamente zuvor im Internet bestellt werden müssen, damit sie dann am Automaten (also praktisch einer „Packstation“) abgeholt werden können, handelt es sich nach der sonnenklaren Sicht der deutschen Richter weder um den Verkauf in einer Apotheke noch um Versandhandel – und nur diese beiden Vertriebsformen sind erlaubt.
Zeit also für mein Memento: in einem freien Land können sich freie Bürger jedes Medikament kaufen, das sie wollen, über jeden beliebigen Weg, ohne Rezept und anderen Bevormundungsquatsch. Einzige Ausnahme sind Medikamente, die erhebliche Auswirkungen auf unbeteiligte Dritte haben (können), das dürfte z.B. bei Antibiotika der  Fall sein (Resistenzen, allerdings sorgt die heutige völlig willkürzliche Verschreibung von Präpraraten gepaart mit der Unfähigkeit der Rezeptträger, das Zeug auch „nach Verordnung“ einzunehmen, eh schon für erhebliche Probleme). Aber für Beta-Blocker und sonstwas braucht es weder eine Fachberatung in der Apotheke noch einen Arzt, der erstmal die Erlaubnis zur Einnahme erteilt – wer mag, kann diese Fachleute ja gerne intensiv befragen, alle anderen aber sollten sich kaufen können, was sie für sinnvoll halten. Geht in anderen Ländern übrigens auch.
Aber in Deutschland bekommt man ja nicht einmal eine Kopfschmerztablette im Supermarkt, und ob z.B. ein Jugendbetreuer einem Teilnehmer eine solche geben darf ist seit Jahr und Tag Gegenstand heftiger Debatten. Aber für ein krankes Land ist halt noch kein Arzt gefunden…

+ Und was sagt der Rückblick auf die digitale Kommunikation am Jahresende? vor allem, dass die sozialen Netzwerke nie Netzwerke geworden sind. Deshalb ist der Begriff „Follower“ bei Twitter auch sehr passend: es geht n icht  um Kommunikation, es geht darum, Jüngerschaften um sich zu scharen. Wer im analogen Leben schon reichlich Fans hat, rekrutiert diese im digitalen Umfeld (noch vor einigen Jahren durfte man dazu „Cyberspace“ sagen) automatisch, aber es schaffen hier natürlich auch einige zum (kleinen) Star, die sonst „draußen im Land“ keine Sau interessiert hätten, – natürlich vor allem, weil sie nicht vernehmbar gewesen wären. Das ist weiterhin die Chance: dass Neues Platz findet.
Allerdings ist das sehr selten (wie in der analogen Welt). Vor allem der Austausch von Meinungen unterbleibt bei den Internet-Diensten fast völlig: Fans bleiben eben unter sich, jeder andere wird weggebissen, und der (kleine) Star ignoriert alles, was nicht in sein PR-Konzept passt (ist sich aber oft nicht zu fein, auch den hinterletzten Speichel aufzulecken, den ihm jemand hinterhersabbert). Kurz: Twitter und Facebook bleiben völlig eindimensionale Sendungen wie ehedem das Radio. Selbst klare Fragen werden ja meist nicht beantwortet – egal ob Einzelperson, Firma, öffentlich-rechtliches oder privates Medium, jeder haut sein Zeug raus und interessiert sich nicht die Bohne für die Gedanken der Rezipienten. Wieso sollte ein Medium auch das Denken ändern? Die Menschen davor und dahinter sind eben dieselben.

+ PS: Dieses Jahr hatte wieder mal nur wenige Wochen – gemessen an den „Wochensammlern„. Aber sie heißen ja nicht „Jedewochesammler“. Sind mehr so wie das „Wochenbett“. Ab und an eben mal…

 

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