Perfektes Album einer schlechten Band


Musik bedeutet mir viel – aber Konzertbesuche waren trotzdem nie so meins. Meist ist mir der Aufwand viel zu groß (und der Eintrittspreis zu unverschämt); nur für wenige Künstler mache ich mich auf.
Andererseits höre ich mir von jeder für mich neuen Band wenn möglich ein Live-Album an, um zu sehen, was sie drauf hat. Viele Musiker sind nur live in ihrem Element, wenn die Producer weit weg und die Mixer höchstens mittelmäßig sind. Dann gibt es die Perfektionisten, die live nicht vom Studio zu unterscheiden sind und die daher außer ein bisschen Augenzauber beim Konzert nichts besonderes bringen.
Doch es gibt drittens die Bands, die live einfach eine Katastrophe sind. Ja, die es vielleicht nicht können, die zumindest zu wenig können, die zu sehr auf die Möglichkeiten des Studios angewiesen sind. Diese Gruppen sollten wirklich im Studio bleiben, denn manche bringen da ganz phantastische Sachen hervor.
Wenn ich “As Lions” letztes Jahr bei “Rock am Ring” gehört hätte, wäre ich vermutlich nach einem Stück gegangen – nach dem, was ich nun bei Youtube entdeckt habe. Klar, es ist nur eine Handyaufnahme, aber da stimmt so vieles nicht…
Noch deutlicher werden die Defizite bei einem kleinen Club-Konzert in den USA, es ist zum Davonlaufen schrecklich.

Und das alles, obwohl mir As Lions mit ihrem Debütalbum “Selfish Age” DAS Album des letzten Jahres beschert haben. Selten hat mir eine Platte so viel Freude bereitet. Und ich sage jedem, den ich missionieren möchte: da stimmt einfach alles! Aber ich habe sie ja auch nicht von Angesicht zu Angesicht kennengelernt, sondern in der Studioversion beim Streaming-Dienst.

Ich will nun gar nicht nachforschen, wie viel digitale und sonstige Hilfe da nötig war, um aus dem, was live im Konzert vorgetragen nach einer betrunkenen Schülercombo klingt, zu dieser grandiosen Musik zu machen, die nunmal auf “Selfish Age” konserviert ist.
Ich muss es als beruhigend ansehen, dass auch und gerade “As Lions” mich nicht zum Konzert locken können – denn wären sie dort gut, bestünde brutale Suchtgefahr. Das Album höre ich seit Monaten fast täglich.

Und nun die grausamen Videos:

(Dass die bisher wohl zwei “offiziellen Videos” der Band – eines ist oben verlinkt – auch nicht doll sind, passt dann wieder: belassen wir es beim Hören der gut durchgestyleten Studiomusik. Die macht dafür um so mehr Spaß.)

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