Berliner Sexismus auf dem Tempelhofer Feld

+ Ich liebe Hunde, Erdkröten und Frauen mit Humor. Die ersten beiden Liebschaften sind nicht zu ersetzen, die dritte bei günstigem Mond hingegen mit einer sprachverständigen Frau.

Ob alte, weiße, Bücher malende Frauen Tweets lesen (müssen/können), bevor sie deren AutorIn blocken?

+ “The Daily” von der “Times” sei als Vorreiter der Nachrichtenpodcasts immer noch einer der besten, findet Sandro Schroeder in seiner ersten Podcast-Kritik für Übermedien.
Kein überzeugender Aufschlag für mich. Denn inhaltlich begründet Schroeder sein Votum wenig. Ich z.B. fand alle bisherigen Hörproben grässlich langweilig (zuletzt probiert mit der Ausgabe “How New Zealand Banned Assault Rifles in Six Days” am 22. März 2019).
Es klingt natürlich weltläufig, wenn die erste Besprechung aus der großen Podcastwelt einem englischen Titan gilt, aber wozu es dann überhaupt deutschsprachige, gar noch unkommerzielle Podcasts geben sollte, bleibt dann offen. Zu bestimmten Themen mal in anderen Medienhabitaten zu schauen kann hilfreich sein, aber auf Dauer sollte Journalismus doch gerade Selektion betreiben, um mich nicht mit amerikanischem Quatsch zu behelligen.
Aber gut, Journalisten sollen ja auch nicht schreiben, was ich ohnehin schon denke. Von daher: nice try. Aber mit “The Daily” bin ich durch.

+ In Kassel ist ein Radentscheid nicht zugelassen worden. Nach Auffassung der Verwaltung verstößt das Anliegen gegen formale Vorgaben.
Problematisch finde ich an dem Initiativen-Entwurf allein die Finanzierung: denn wie immer und überall gibt es keinen Vorschlag für eine sinnvolle Umverteilung der Einnahmen, sondern für eine Einnahmen-Erhöhung (hier: die Gewerbesteuer anzuheben, siehe HNA).
Das ist aber grundsätzlich der falsche Ansatz. Es gibt unendlich viele Wünsche, nie wird irgendein Bereich so ausgestattet sein, dass niemand mehr neue Forderungen erheben würde. Deshalb braucht es an erster Stelle eine Deckelung der staatlichen Einnahmen, und die sollte vermutlich deutlich unter dem status quo liegen. Denn dass wir über die Hälfte unserer Arbeitskraft für die staatliche Umverteilung aufbringen, ist ja geradezu absurd. Aber niemand will sich mit bisherigen Empfängern von Transferleistungen anlegen, niemand traut sich, die Prioritätenfrage zu stellen. Dabei wird jeder zig ‘Bereiche benennen können, die entweder gar nicht wichtig oder zumindest weit weniger wichtig als andere sind. Nur weil im Laufe der Jahrzehnte immer weitere Budgets entstanden sind kann das nicht bedeuten, dass sie alle auf ewig fortgeführt werden. Wie in jedem privaten Haushalt: das verfügbare Geld ist begrenzt und man muss sich entsprechend überlegen, was einem wichtig ist und was nicht. Alles geht eben nicht. Sich immer neue Steuern und Abgaben auszudenken ist schlicht nicht demokratisch, weil es willkürlich in die Freiheit anderer eingreift.
Anderes Beispiel:
Johannes Hillje schlägt in seinem Buch “Plattform Europa: Warum wir schlecht über die EU reden und wie wir den Nationalismus mit einem neuen digitalen Netzwerk überwinden können” zur Finanzierung nicht etwa vor, einen Teil aus der üppigen Finanzierung des nationalen öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu nehmen, sondern er möchte die großen Digitalkonzerne mit einer Abgabe dafür belegen. Klingt immer gut, denn Google und Facebook haben ja genug Geld, – aber es führt eben zu immer weiterem Wachstum der vom Staat beanspruchten Arbeitsleistung.

+ Das demokratieverachtende Zitat der Woche:

>Er würde noch besser funktionieren, wenn die Bauämter besser besetzt wären und schneller arbeiten könnten, wenn die Genehmigungsverfahren vereinfacht würden und wenn Bauprojekte nicht mehr so leicht durch Bürgerbegehren gestoppt werden könnten. Es ist ein Skandal, dass in einer Stadt wie Berlin das Tempelhofer Feld – eine innerstädtische Fläche, auf der mehr als tausend neue Wohnungen entstehen können – nicht bebaut wird, weil ein paar Anwohner dort gerne spazieren gehen. <

Zur Erinnerung: Dass der ehemalige Flughafen in Berlin-Tempelhof nicht bebaut wird, liegt nicht an ein paar egoistischen Anwohnern, – sondern an einem Volksentscheid, Herr Schieritz. Man kann ganz sicher unsere Demokratie verbessern – aber ein Volksentscheid ist niemals ein Skandal. Seine Missachtung hingegen schon.

 

 

 

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