Ich bin 25 und war noch niemals in New York

25 Jahre alt, schreibt für die Süddeutsche Zeitung, aber war noch nie außerhalb Europas. “Doch jetzt, wo jeder Flug das Gewissen belastet, fragt sie sich: Habe ich meine Chance verpasst?” Das muss jetzt unbedingt publizistisch aufgearbeitet werden. Und es schreit nach einer langen Serie: Was hätte man doch früher alles machen können, damals, als es noch nicht schlimm, schädlich, ungesund, doof war. Und nicht peinlich – in der Schülerzeitung zum Beispiel.

+ Die Reportage “Lehrer am Limit – Dauersteress im Schulalltag hat mir nochmal zweierlei deutlich gemacht:
a) Ideologie bringt uns nicht weiter. Und Politiker sollten sich aus vielen Dingen lieber raushalten, zumindest, solange sie nicht eine aleatorische Bürgerberatung dazu genossen haben. Dass die Idee einer Zwangsintegration nicht funktionieren kann, war von Anfang an klar, aber es klang halt so schön, keine “Klippschulen” mehr zu haben, weil doch alle Menschen gleich sind…
b) Schule bleibt meilenweit hinter den Bildungsmöglichkeiten zurück, weil sie auf ein idiotisches, antiquiertes Unterrichtssystem setzt, das nicht durch ein paar Spielchen verbessert wird. Ein Englisch-Unterricht, in dem auch nur ein Wort Deutsch gesprochen wird, ist für die Katz’. Und wenn die Lehrer wirklich was könnten, würden sie gleich Mathe und Erdkunde auf Englisch, Französisch oder sonst einer Sprache unterrichten, die ohnehin (freiwillig) an der Schule gelernt wird.
Ohne der armen Lehrerin in der Doku Unrecht tun zu wollen, aber ihr Ausbruch der Verzweiflung: “Es gibt kein ‘it gives’, das muss man doch nach 6 Jahren mal begreifen” ist der Bankrottbeweis für ihren Unterricht.
Dass heute so viele junge Leute gut Englisch sprechen und vor allem verstehen, ist kein Verdienst der Schule, sondern von Youtube, Netflix und – leider – Billigfliegern.

+ Jörg Kachelmann lebt auf Twitter gerne seine Macke aus, dass außer ihm alle dumm sind, also im Sinne von ungebildet und denkfaul, was er gerne an seinen einfachen Weisheiten der Meteorologie festmacht. So kann er sich Sommer für Sommer darüber aufregen, dass vor allem die dummen Journalisten nicht den Unterschied zwischen Trockenheit und Hitze kapieren. Ein Problem für die Natur (Waldbrände inklusive) sei regelmäßig nur die Trockenheit, nicht die Hitze.
Außerhalb des Kachelmann-Kosmos hingegen sind die Welten komplizierter. Eine Forschungsgruppe hat kürzlich unter dem Titel “The effects of climate extremes on global agricultural yields” dargelegt, Klimaschwankungen könnten bis zu 50% der Ertragsschwankungen bei Mais, Reis, Soja und Sommerweizen erklären. Der bedeutendste Faktor dabei war allerdings nicht der Niederschlag, sondern – die Temperatur.  (Elisabeth Vogel et al 2019 Environ. Res. Lett. 14 054010)

+ Warum Wählen nichts bringt, oder: Im Amt sind alle gleich. Eine grüne Bezirksstadträtin in Berlin erteilt Gebührenbescheide gegen Bürger, die weiterhin in einer Einbahnstraße wohnen wollten. Ja, natürlich wird Frau Sabine Weißler sagen, ihr seien da die Hände gebunden, sie halte sich nur an irgendwelche Vorschriften und müsse daher die Erbsen zählen. Sicher. Und genau deshalb  sind Sie, Frau Weißler, und all Ihre Kollegen so fürchterlich überflüssig, ja kontraproduktiv, weil Sie mit Ihren Parteifahnen suggerieren, einige Bürger hätten Sie in einem Wahlakt zu Ihrem Tun ermächtigt. Aber kein Bürger hat je über irgendeine Gebührensatzung abgestimmt.
Dass es statt eines grünen Bezirksbürgermeisters und einer grünen Stadträtin für die Verkehrsplanung schlicht einen studierten Bürokraten braucht, haben die  beiden bereits im  letzten Dezember unschlagbar bewiesen, als sie mit  einer Paragraphenkanone erklärten, warum sie die Meinung der “Bezirksverordnetenversammlung” nicht interessiert, ja nicht interessieren darf, wenn es um “Ordnungsaufgaben” geht, die stets “unaufschiebbare Maßnahmen zur Gefahrenabwehr” sind. (Drucksache – 1551/V, Berlin Mitte).

+ Insgesamt hat mich Herbert Grönemeyer im ZEIT-Podcast “Alles gesagt” enttäuscht. Obwohl es ein sehr, sehr langes und in Teilen durchaus interessantes Gespräch war (zu dessen Beendigung offenbar mehrmals eine Mitarbeiterin mahnt), spult Grönemeyer doch viele Standardsätze ab und gibt nicht gerade den Bochumer Kumpel.
Aber richtig geärgert hat mich der geschätzte Kollege Jochen Wegner, als er mehrmals behauptete, Grönemeyer habe seine ersten drei Platten in den Sand gesetzt. Dem muss man heftig widersprechen: Die Platten hatten sich nicht gut verkauft, ja. Aber sie sind großartig. Dass Wegner auf diese Qualität nicht anspricht lässt vermuten, dass er sie nie – oder zumindest nie mit musikalischem Interesse – gehört hat.

 

 

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