Gold für Pommesfans – Wernsing Salatmayonnaise GOLD

Selbst Freunde, die per definitionem viel gewohnt sind, halten es für einen besonderen Spleen, sich in eine Mayonnaise zu verlieben. Ich kann dazu nur sagen: Liebe für Autos oder gar Surfbretter halte ich für weitaus spleeniger, und das nicht nur, weil Mayonnaise auf dem Ursprung allen liebenswerten Lebens überhaupt beruht. Im Übrigen aber ist unbestreitbar, dass auf, neben oder zu Pommes Frites genau eine Mayonnaise passt: “Wernsing Gold“. Zugleich ist ihr imbisskulturelles Schattendasein ein perfekter Beleg für die totale Unfähigkeit des Marktes, Qualität zu selektieren. Die Wernsing Salatmayonnaise Gold gibt es in keinem Supermarkt, ebensowenig in der Metro, diesem Großmarkt, den man auch als Unternehmer außerhalb der Futterbranche besuchen darf und der sich durch die fehlende Wernsing-Listung indiskutabel als Handel für Lebensmittel disqualifiziert.

Dass meine Liebe zu dieser unschlagbar besten aller Pommes-Mayonnaisen wenn schon, dann ein Spleen mit Niveau ist, habe ich mit Brief und Siegel in meinen Erinnerungen. Denn als ich vor vielen Jahren das erste Mal den medial bekannten “Profi-Grill” des Sternekochs Raimund Ostendorp in Wattenscheid beprobt habe und Meister Ostendorp ohne irgendeine Markensichtung bereits nach der ersten Gabel Pommes zur Wahl seiner Mayo gratuliert hatte, entspann sich das dort bis dahin erste und eventuell bis heute einzige Fachgespräch über Mayonnaise-Typen und ihre Einsatzgebiete. (Denn bei aller Liebe und entgegen der Deklaration ist die Wernsing Gold keineswegs zwingend auch die erste Wahl, wenn es um Salat geht, insbesondere wenn es um meinen Eiersalat geht (ja, J., ich schulde dir immer noch das Rezept…).)

Wer einmal Pommes mit Wernsing-Mayo gegessen hat, wird nicht umhin kommen, sich fortan als ehrenamtlicher Missionar zu betätigen und ausnahmslos jedes andere kredenzte “Mit” zu rügen: von “Schade, dass Sie keine Wernsing haben” bis “Die Pommes sind gut/ okay/ schon schlimm genug, aber was Sie da an Öl-Ei-Emulsion draufpacken ist eine Verbrechen”.

Apropos Verbrechen, zurück zur Beschaffung: Wernsing gibt es im guten Lebensmittelgroßmarkt. Gut, weil eben kenntnisreich – und hinreichend umsatzstark. Denn Wernsing Mayonnaise hält sich nicht sehr lange (was laut eines Vertriebsmitarbeiters wohl der Hauptgrund für die bescheidene Marktdurchdringung ist, aber selbstredend mit der Qualität korrespondiert). In Bochum gibt es den schönen 10 Kilo-Eimer z.B. bei Niggemann. Für die kleinere Portion hatte ich gut zehn Jahre lang einen Imbiss, der mir ob der geteilten Liebe Eimeranteile zum Einkaufspreis überließ. Leider gibt es ihn nicht mehr (auch so ein Marktversagen – Niki, es tut mir immer noch sehr leid). Die Beschaffungswege waren danach gewunden und verwegen, was die Missionarstätigkeit insbesondere für den Verbrauch in haushaltsüblichen Mengen nicht gerade begünstigte. Die meisten Großmärkte liefern nur an Gastronomie-Kunden, teilweise nur in LKW-Größe bzw. als wöchentlichen Dauerauftrag.
Doch nun habe ich eine Quelle gefunden, die ich ohne Wenn und Aber empfehlen kann und muss: “Food Service Frater” Dort gibt es sogar den 5 Kilo Eimer (und wenn meine digitale Mission verfängt vielleicht künftig sogar die putzige 875 ml-Flasche). Wer gerade kein Kartoffelfest feiern möchte und befürchtet, den Zwergeneimer nicht alsbald zu schaffen, sollte den Inhalt mit möglichst wenig Lufteinschlüssen in Dippen umfüllen und im sehr kalten Kühlschrank lagern bzw. als Kostproben verschenken. Die 10-Kilo-Einheit wird bei “Food Service Frater” als Eigenmarke von “Vierlande” angeboten, der Inhalt ist allerdings das einzig wahre Pommes-Gold, also nicht irritieren lassen. Einen Mindestbestellwert gibt es bei dem Berliner Händler nicht, die berechneten Versandkosten sind absolut fair und nach 2 Tagen stand der Gold-Karton vor der Tür. Damit gibt es nun keine Ausreden mehr – für niemanden!

Bzw. für niemanden, der noch im Rennen ist. Seit meiner frühesten Jugend kenne ich den unglaublich falschen Satz “aber die Pommes sind halt wirklich gut, das muss man McDonalds lassen”. Wer das sagt, darf nicht nur, der muss sogar auch die dazu gereichte McDonald’s Mayonnaise (80%) gut finden, denn: Gleich und Gleich gesellt sich gerne (wobei für die historische Wahrheit angemerkt sei, dass die ehemals bei Mc in Deutschland vertriebene Mayo eine holländische Fritessaus war, und das geht schon klar, auch außerhalb der Niederlande). Wer McDonald’s Pommes mag, ist für meine Mission bereits verloren, Wernsing wäre da nur noch eine Perle vor die Sau geworfen. (Von Menschen, die Fritten aus dem Backofen essen, will ich gar nicht erst sprechen, da bezweifle ich sogar, dass sich die Linien unserer Vorfahren irgendwo vor der Unendlichkeit treffen.)

Und nun: Mahlzeit, Freunde der Gourmet-Fritte.

PS 1: Zum einen sammel ich gerne Imbissbuden, die sich mit Wernsing als Pommes-Topping empfehlen, über Hinweise freue ich mich.
Zum anderen sei zugestanden, dass die Welt nicht schwarz-weiß, sondern bunt ist. Wie schon angedeutet, eine holländische Fritessaus ist akzeptabel (liegt aber weit hinter Wernsing Gold). Als Ersatz würde ich eher die Nadler 50% empfehlen, auch wenn sie Süßstoff enthält, oder die 55%er von Heinz (kenne ich nur im Portionsbeutel; es taugt nicht die 70%er!). Für Salate rate ich eher zur Homann 50%, aber da ist die Bandbreite natürlich sehr  groß, je nach Einsatz. Aber bei Pommes, bitte, da gibt es nichts zu diskutieren.

PS2: Wenn wir die Wernsing Salatmyonnaise Gold schon im Haus haben, können wir uns natürlich daraus ein lecker Remoulädchen machen. Erprobte Menge

Rezept Remoulade
300 g Wernsing Salatmayonnaise Gold
55 g Saure Sahne (alternativ 40g Crème fraîche)
35 g sehr fein geschnittene Cornichons
25 g sehr fein geschnittene Zwiebel
15 g Eigelb gekocht
15 g Eiweiß gekocht (insgesamt etwa ein Hühnerei, vom Eiklar nur die Hälfte)
5 g Senf mittelscharf
0,5 g Salz
0,1 g frisch fein gemahlener weißer Pfeffer
5 g vom Gurkensud, je nach gewünschter Konsistenz (bei Verwendung von Crème fraîche 10-15g)

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