Spiegel mal wieder als Windjammer

Im SPIEGEL dieser Woche ist leider kein Leserbrief zu finden, der die Schlechtigkeit des Titelthemas der Vorwoche hinreichend benennen würde. Nachträglich hier nur eine ganz kurze Anmerkung:

“Der teure Traum von der sauberen Energie” steht auf dem Cover, “Öko um jeden Preis” ist der Artikel überschrieben.
Wie üblich mögen die einzelnen Fakten stimmen, doch sie ergeben alles andere als ein richtiges Bild. Der SPIEGEL listet auf, was regenerative Energie kostet (“75 Milliarden Euro, die bis 2030 allein für den Ausbau der Offshore-Windparks nötig sind…”) und wie sie derzeit vergütet wird. Er macht recht willkürlich auf altbekannte Probleme einiger Energiequellen aufmerksam (Windkraft liefert schwankende Stommengen, eigens angebaute Biomasse steht in Konkurrenz zu Nahrungsanbau) und resümiert schließlich: “Die Kosten der Öko-Wende sind gewaltig, das steht fest. Die Politik muss dafür sorgen, dass sie nicht ausufern.”
Der Artikel hat erhebliche Mängel. So macht er an keiner einzigen Stelle eine vollständige Rechnung auf. Was haben wir von der Information, dass ein Unterseekabel 30 Milliarden Euro kostet, wenn nicht aufgeführt wird, über welchen Zeitraum welche Umsätze und Gewinne damit gemacht werden? Dieses Manko zieht sich leider durch den ganzen Beitrag.
Der Beitrag geht auch mit keinem Wort auf Konzepte zur großräumigen “Öko-Energie”-Erzeugung ein, auch wenn die dafür notwendigen “Stromautobahnen” (Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung) erwähnt werden. Es gibt nachvollziehbare Berechnungen, dass keineswegs die ganze Landschaft “verspargelt” werden muss und jedes deutsche Haus eine ineffektive Photovoltaikanlage aufs Dach bekommt, sondern dass mit großen, in Europa und Afrika gebauten Kraftwerken eine kostengünstige Stomversorgung beider Kontinente ausschließlich aus regenerativen Quellen möglich ist. (Siehe Kurzhinweis: Sonnige Energiewende).
Kein Wort verliert der Spiegel zu dem Problem, dass der Umbau der Energeiversorgung seit langem von der Politik verschlafen wird und von der konventionellen Energiewirtschaft natürlich nach Kräften blockiert wird – denn man verdient ja gut mit seinen Braunkohlekraftwerken. Und was alles dafür spricht, jetzt und sofort mit dem Verbrennen fossiler Rohstoffe aufzuhören, wird auch nicht erwähnt. Es geht ja um weit mehr als nur CO2.
Kurz: Eine Spiegel-Titelgeschichte hätte weit mehr bieten können und müssen.

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