Mutmaßlicher Terrorist rechtsstaatlich ermordet

Weil sich da bei evangelisch.de heute Abend sicherlich nichts mehr tut in Sachen Freischaltung meines Kommentars, poste ich ihn einstweilen hier.

Christian Spließ fragt bei evangelisch.de, ob man sich über den Tod eines Menschen freuen darf. Geht natürlich um Bin Laden.
Meine kurzer Einwurf dazu:

Das Problem liegt viel tiefer. Wäre Osama bin Laden in Deutschland, ja nur in Europa vermutet worden, hätte es zu seiner Dingfestmachung der Polizei und nicht des Militärs bedurft. Er wäre auch bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung hier wie in allen Medien immer nur der “mutmaßliche Terrorist” (und sicherlich nicht der “Terrorfürst” wie z.B. bei spiegel-online).
Stattdessen: Pakistan, Krieg, die Amerikaner, die da mal eben einfliegen und töten und die zivilisierte westliche Welt applaudiert.
Was kommt als nächstes? Bundeswehr erschießt Seeräuber – statt sie der Justiz zu überstellen und einem langwierigen Prozess anschauen zu müssen, an dessen Ende in Deutschland unter Garantie nicht der Tod steht?

Aber natürlich: auch das ist alles schon irgendwo gesagt. #Es gibt beeindruckende Aufrechnungen der Getöteten, Verletzten und Gefolterten – vom US-Rechtsstaat und vom Outlaw bin Laden.

Das Problem liegt viel tiefer als zu fragen: Darf man sich über einen Tod freuen. Das darf jeder empfinden wie er mag. Aber dass ganze Gesellschaften derzeit übereinstimmen, einerseits schon eine Handgreiflichkeit hart juristisch zu ahnden, andererseits wildes staatliches Töten völlig normal zu finden – das ist ein gewaltiges Problem. Und da helfen uns auch nicht die Juristen mit ihren Völkerrechts-Taschenspielertricks.

Gibt es zu dem Thema eigentlich ein erkennbares evangelisches Profil, wenigstens der doch alle Vertretung für sich beanspruchenden Kleriker? Im Bericht der Kirchenleitung zur kommenden Kirchensynode der EKHN habe ich heute gelesen, das Kloster Höchst habe die Übernachtungsverluste durch den Wegfall von Zivildienstkursen zum Teil durch die Beherbergung von deutschen Afghanistan-Soldaten wett machen können.

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