Tiere hassen nicht

“Mein Name ist Tier und ich hasse euch” – ein Text, der gerade durch die entsprechenden Tierschutz-Blogs die Runde macht und genau die Gruppe bedient, für die verbal-radikaler Tierschutz zur Religion geworden ist, die wie jede Religion dem eigenen Seelenheil dient.

“Für euch Tierversuchsärzte empfinde ich nichts außer Verachtung.” “Wie geisteskrank muss man sein, um Jagd auf Wehrlose als sein Hobby zu ergreifen?” “Über euch Abschaum Metzger will ich mich eigentlich gar nicht auslassen.” “Damit sind wir bei euch, die unsere Leichen in sich reinstopfen und sich zur Verteidigung rosarote Scheinwelten aufbauen.”

Es ist ein menschlicher Hass-Text, in dem gerade nichts von dem aufblitzt, was Tierschutz ausmacht: die Idee nämlich, um Intelligenz und Meinungsfähigkeit zu werben, um sich gerade anders zu verhalten als Tiere.

Das Kuckucks-Küken hat kein schlechtes Gewissen, wenn es seine Stief-Geschwister aus dem Nest stößt. Die Schlupfwespe sinniert nicht über tierschonendere Vermehrungsform als Alternative zu ihrer tödlichen Eiablage in Schmetterlings-Raupen. Und die Katze findet sich keineswegs brutal oder sadistisch, wenn sie mit einer Maus “spielt”, bis diese an inneren Verletzungen oder Herzversagen stirbt.

Der Mensch handelt überwiegend auf dem gleichen Level: er tut, was naheliegend erscheint und was ihm nutzt. Die große Kulturleistung des Menschen ist nun gerade, darüber hinweg zu kommen, die eigene Dominanz nicht wie jedes Tier schamlos zu nutzen, sondern sich zu zügeln,  ein Wertesystem aufzubauen, Verhalten in Gut und Böse zu unterscheiden, sich um andere einen Kopf zu machen.

Natürlich kann man als Mensch andere Menschen hassen (ob als Tierschützer oder Rapper oder Amokläufer). Auch das ist aber gerade keine Verhaltensweise der Tiere – sondern menschliche Individual- und Kulturleistung.

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