Kirchlicher Personalklüngel

Man ist ja schon postiv überrascht, wenn bei der evangelischen Kirche ein Job außerhalb von Reinigungsarbeiten mal nicht mit einer Pfarrerin oder einem Pfarrer besetzt werden muss – der Klerus hält ja inzwischen alles in den Händen, insbesondere das schöne und strategisch natürlich wichtige Feld der Öffentlichkeitsarbeit.

Aber die Phantasie in Sachen Berufe ist bei Kirchens dennoch sehr eng. Denn außer Theologen kennt man  da eigentlich – von den Putzfrauen oder ihrem männlichen Pendant “Küster” eben abgesehen – nur noch Pädagogen. Für die gibt es sogar eigene Bestandsschutzgesetze.

Was einen Pädagogen zum Geschäftsführer einer Einrichtung qualifiziert, habe ich schon vor vielen Jahren öffentlich gefragt – eine Antwort kenne ich bis heute nicht. Nun gibt mir die EKD mit einer Stellenausschreibung ein neues Rätsel auf. Die baut gerade eine  “Projektgruppe Service-Telefon“auf, die ein “deutschlandweites niedrigschwelliges Kommunikationsangebot für Kirchenmitglieder und Interessierte” installieren soll. Dafür sucht sie nun eine stellvertretende Leitung:
“Zu den Aufgaben gehören: Aufbau, Betreuung, Pflege und Weiterentwicklung eines elektronischen Wissensmanagements, Informationsrecherche, Aufbereitung und Entwicklung von Antwortmodulen mit Team-Leitung, Planung, Organisation und Durchführung von Schulungs- und Fortbildungsveranstaltungen sowie Mitarbeit bei der Erarbeitung von Standards, stellvertretende Leitung des bis zu sechs Vollzeitstellen umfassenden Teams.”

Die “Erwartungen”:
“Ausbildung als Religionspädagoge (FH) oder vergleichbare Qualifikation (Bachelor) mit Berufserfahrung, Kenntnisse und Affinität zu elektronischen Kommunikationsmedien, Datenbankfachwissen, fundierte Kenntnisse theologischer Inhalte sowie kirchlicher Strukturen und Handlungsfelder, Teamfähigkeit, Engagement sowie Identifikation mit dem Aufgabenfeld, kommunikative Kompetenz und serviceorientiertes Auftreten, Begleitung bei sozialwissenschaftlicher Evaluation, Bereitschaft, ein neues Arbeitsfeld und Team engagiert mit aufzubauen und zukunftsfähig zu gestalten.”

Wozus da einen Religionspädagogen braucht und wie die Service-Suchenden am Telefon erzogen werden sollen erschließt sich mir nicht.

 

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