Lang. länger – unvollendet
Absolut nichts gegen lange Sätze. Oder auch kurze (ohne Verb). Je nach Kontext. Aber „aufgehen“ sollten sie halt schon, die Sätze. Klar, es ist korinthenkackerisch, auf ein fehlendes Verb zu verweisen, wo es doch vielleicht eine rhetorische Ellipse sein könnte, zumal ich verstanden zu haben glaube, was gesagt werden sollte. Aber besonders rhetorisch raffiniert kommt mir die Auslassung nicht vor.
Aus einem Post zur qualitativen Sozialforschung, der nach der Interpunktion nur ein Satz ist, das Fragment aber wohl als zwei Sätze gelesen werden möchte (aber was weiß ich schon von Willen und Wollen der Sätze), jedenfalls aus sattsamen 1399 Zeichen bestehend bis zum vermuteten Punkt:
[Anrede,] das Thema „Schutz, Risiko und Grenzziehungsprozesse von Forschenden“ beschäftigt uns qualitativ Forschende am IAB (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung) seit geraumer Zeit, weshalb wir nach intensivem Austausch und Erarbeitung einer Analyse der Herausforderungen im qualitativen Forschungsprozess in der AG „Qualitative Methoden“ am Institut in Kooperation mit unserer Personalabteilung ein Qualifizierungsmodul entwickelt haben, welches aus
a) einem Grundlagenseminar zu „Schutz, Risiken und Grenzziehungen von Forschenden in der qualitativen Sozialforschung“
Hierbei werden folgende Inhalte behandelt:
* Vorbereitung auf Feldphasen (Erarbeitung von Sicherheitskonzepten und Schutzmaßnahmen, Sensibilität für beforschte Gruppe ohne viktimisierende Zuschreibungen, Klärung der eigenen Rolle und ihrer Grenzen)
* Spannungsfeld Mitgefühl – Distanz im Interview/während der Feldphasen (Gesprächstechni-ken, Umgang mit Gefühlsausbrüchen oder Belastungen von Interviewten)
* Erkennen von und Umgang mit Gefährdungslagen im Feld (Was heißt es, aufs Bauchgefühl zu hören? Wie reagieren auf Gefährdungen? Gefährdungsprotokolle erstellen, Eigenschutz, Fremdschutz, kommunikative Deeskalationsstrategien)
* Nachbereitung: Erkennen eigener Belastung und Strategien des Umgangs; mögliche methodi-sche Anpassungen; Einsatz und der Umgang mit Supervision
b) einer psychologischen Supervision (die flexibel vor, während und nach Feldforschungsaufenthalten) gebucht werden kann
c) Selbstverteidigungskursen inhouse und extern, um Besuche in Haushalten, und mögliche Gefahren vorzubereiten [hier wäre ein Punkt zu vermuten.]
Die Dienstleistungen stehen allen Forschenden, v.a. auch Nachwuchswissenschaftler:innen in unserem Graduiertenkolleg zur Verfügung.<
Es ist übrigens auch ein Beispiel, bei dem ich ein vorgezogenes Verb hilfreich fände, auch wenn es sprachkritisch gesehen wird. Aber, hey, es geht doch ums Verstandenwerden. Also, auch wenn es etwas holpert: >ein Qualifizierungsmodul entwickelt haben, welches besteht aus< oder, aber dann wäre es nicht mehr ein Satz: >ein Qualifizierungsmodul entwickelt haben, welches sich aus folgenden Modulen zusammensetzt: […]< Ne, letzteres wäre wohl unsoziologisch.
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