Ulrich Beck: Was zur Wahl steht

Mindestens einem Satz in Ulrich Becks schnellem Wurf zur Bundestagswahl kann ich zustimmen: “Die Deutschen müssen sich selbsttätig verändern, wenn politisch wirklich etwas in Bewegung geraten soll.” Ob wir dazu mehr Frühsport treiben oder wieder mehr in die Kirche gehen sollen verrät der Soziologie-Professor nicht.
Denn Beck glaubt an die Gestaltungskraft der Politik, was wenig verwundert, gehört er doch als diskutable Stimme mittelbar zum Politikbetrieb dazu. Selbstverliebt zitiert er mehrfach ausführlich aus einem Wahlkampfbrief, den Schröder ihm 1998 geschrieben hat. Ja, Beck ist Partizipient politischer Macht und damit allenfalls ihr interner, aber keineswegs ihr unabhängiger Kritiker.

Becks Weg in die neue Welt, seine “zweite Moderne”, ist sehr simpel: irgendwie soll ein Europa der Bürger entstehen, und auf alle Fälle müssen beamtete Professoren wie er deutlich mehr verdienen, weil sie sonst alle ins Ausland gerufen werden (warum Beck dann noch in München ist, man weiß es nicht).

Dazwischen stehen einige merkwürdige Dinge, z.B.: “Die Reichen können heute auch ohne Ausbeutung reicher werden, die Regierungen auch ohne die Stimmen der Ärmsten gewählt werden, und die Wirtschaft kann wachsen, ohne dass sich am Schicksal der Armen und Arbeitslosen etwas ändert.” Wie das mit dem Reichwerden denn dann klappt – keine Ahnung, vielleicht machen sich die Reichen gegenseitig reich beim Roulett? Und früher sind Bürger nach jedem kriegerischen Feldzug ihres Herrn beschenkt worden?

Oder: “Das Gespenstische trat bei der Ablehnung der Europäischen Verfassung in Frankreich grell hervor. Das ‘Einkäfern’, die ‘Verwandlungsverweigerung’, kann von postkommunistischen Parteien genauso ausgenutzt werden wie von den rechten neonationalen Bewegungen.” Davor sind wir in Deutschland ja gefeit – bei uns steht Europa glücklicherweise nicht zur Wahl, wir kriegen es gratis und frei Haus. ‘Einkäfern’ und ‘Verwandlungsverweigerung’ muss man dabei noch erklären: Beck hat nämlich zur Analyse Deutschlands Gregor Samsa aus Kafkas “Verwandlung” herangezogen. Wieso, weshalb, warum – ach, geschenkt. Denn: Das Buch läuft natürlich gut. Und so sollten Sie sich wenigstens den Titel merken, um mitreden zu können:”Was zur Wahl steht”. Ulrich Beck, im Suhrkamp Verlag, für discountige, wenig Arbeitsplätze schaffende 7 EUR.
PS: Natürlich gibt es auch richtige Rezensionen zu diesem “Essayband”. Zum Beispiel beim Deutschlandradio, das Becks Werk sehr gut findet und lobt: “Antworten gibt das Buch nicht, und das ist zweifellos seine Stärke.” Zur Rezension

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.