Ronja Rönne, Bischof Oster und Chaoten (KW23)

+ Ronja von Rönne schreibt pfiffig frische Texte. Auch über Feminismus und solche Dinge. Dass es deshalb viel Aufregung geben könnte, war klar. Anmerkungen zur Debattenkultur auf SpKr.

+ Das mainstreamige, professionelle Missverstehen einer einfachen, klaren Position der CDU-Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer durch die meisten „Qualitätsmedien“ war an mir dank einer kurzen Auszeit, hat mich dann aber völlig niedergeschmettert. SO VIEL DUMMHEIT! (Wobei ich ja mit Dummheit stets den absichtlichen Verzicht von Denkbemühungen meine, die freilich nie über das Maß des Gottgegebenen hinausgehen müssen.) (Ich weiß, dass ich für Strafanzeigen zu unbedeutend bin, aber fürs Protokoll: die Homo- und die Vielehe gleichgesetzt habe ich dann wohl auch schon, letztes Jahr.

+ In dem Zusammenhang grundsätzlich: Strafanzeigen sind per se erstmal nie ein journalistisches Thema.

+ Ein Himbeer-Vanille-Tee, auf dessen Verpackung Himbeeren und Vanilleblüten abgebildet sind, muss Himmbeer und Vanille enthalten, hat jetzt der Europäische Gerichtshof gegen Teekanne entschieden. Unter keiner Nachricht dazu fehlen die blitzgescheiten Spaßkommentatoren: Babyöl müsse dann ja wohl Babys enthalten, Kinderschokolade Kinder, – und so geht das weiter mit Jägerschnitzel, Seniorenteller, Pferdebalsam, Mozartkugeln, Magendarmtee… Wahnsinnig originell.
Ganz gelegentlich ist zum Verständnis von Sprache etwas notwendig, das es nicht bei amazon und ebay gibt: Verstand.

+ „Irrwege der Heilung“ nennt die Süddeutsche Zeitung Herausforderungen im Gesundheitswesen: „langes Warten im Flur im hinten offenen Flügelhemd, ein winziges Bad für zu viele Patienten, ein entsetzlich kompliziertes Prozedere, um eine Fernbedienung für den Fernseher zu erhalten.“
Natürlich liegt gerade im Medizinbetreib vieles im Argen – aber die Sache ist trotzdem nicht sehr kompliziert. Es geht wie bei fast allen politischen Geschehnissen schlicht um die Frage: Demokratie oder Nicht-Demokratie. Wir haben im „Gesundheitswesen“ wie sonstwo eben keine Demokratie, sondern eine Lobbykratie. Angebliche „Experten“ machen unter sich aus, wer was vom Kuchen bekommt – und wer ihn zu backen hat. Dass in diesem High-Tech-Wunderland mit einem Medizin-Umsatz von über 300 Milliarden Euro pro Jahr mehrere Patienten auf einem Zimmer liegen müssen – der eine röchelnd, der andere gerade „auf dem Schieber“ -, während das geräumige Einzelzimmer im Hostel mit reichhaltigem Frühstücksbuffet keine 30 Euro kostet – das ist eine Frage der Herrschaft.

+ Immer wieder schön, alte SPIEGEL-Texte zu lesen. 1986 gab es offenbar in Deutschland nicht nur Deutschländer und Ausländer, sondern auch eine Spezies namens „Chaoten„. Was aus denen wohl geworden ist?

+ Dass zivile Drohnen kein Massenphänomen werden, wie es die Hype-Berichterstattung über Paketauslieferungen und Pizzadienste per Flugobjekt nahelegen, wollte ich schon längst gesagt haben – bevor sie zulassungs-, führerschein- und steuerpflichtig werden. Wenn ich mich in der Prognose irre, ist die Menschheit einfach nur noch etwas dümmer als bereits großzügig angenommen. (1)

+ Bischof Stefan Oster (Passau) hat sich über einen kritischen Bericht in der Mittelbayerischen Zeitung aufgeregt. Schade, der Mann, gerade 50 geworden, wirkte vorher so entspannt. Karl Birkenseer hatte geschrieben:

„Ein Jahr nach der Amtseinführung von Bischof Stefan Oster grummelt es in Teilen des Bistums Passau. Die große Begeisterung des Anfangs ist hier und da einer Ernüchterung gewichen. Nach Informationen der Passauer Neuen Presse (PNP) ist die Enttäuschung über den als konservativ empfundenen Oberhirten in einzelnen Pfarreien mittlerweile so groß, dass man dort nicht mehr bereit ist, auf das zu hören, was „aus dem Ordinariat kommt“.

+ Nach der Wahl in Bremen hatte die „Frankfurter Rundschau“ am 13. Mai 2015 im „Thema des Tages“ die geringe Wahlbeteiligung kommentiert.
Mein Leserbrief dazu (der gekürzt in der Ausgabe am 16.5. erschien):
Was sollten „wirksame Rezepte gegen die sinkende Wahlbeteiligung“ sein? Wollen die herrschenden Parteien gerne abgewählt werden? Möchten sie, dass das Volk in der Politik mitmischt? Quark! Parteien – wie interessanterweise auch viele Politikwissenschaftler und Journalisten – möchten einfach eine breitere Bestätigung des Status quo, ein sattes „weiter so“. Der Nichtwähler – und erst recht der bewusste „ungültig“-Wähler – verweigert schlicht dieses Abnicken. Ändern kann er so oder so nichts, das ist Allgemeingut, also verweigert er als kleinst mögliche Rebellion sein Ja und Amen zu einer Politik, die alle großen Problem seit Jahrzehnten nicht gelöst bekommt und sich zurecht in vielen Fragen vor der Entscheidung der Bürger fürchtet.
Natürlich ist die geringe Wahlbeteiligung ein „Alarmsignal für die Demokratie“. Weil eben das, was geschieht, nur von einer Minderheit der stimmberechtigten Bevölkerung unterstützt wird. Wer dies wirklich ändern will, der muss nicht um Vertrauen werben und Öffnungszeiten von Wahllokalen verlängern, sondern der muss die Bürger selbst zu Wort kommen und entscheiden lassen. Es gibt dafür Reformvorschläge, Weiterentwicklungen von längst erprobten Beteiligungsverfahren etwa, die auf der Auslosung von Bürgern für intensive Beratungen beruhen, die weit über eine Ja-Nein-Weißnicht-Abstimmung hinausgehen. Aber solch echte Veränderungen werden bislang in Deutschland gar nicht ernsthaft diskutiert. Warum? Weil viel zu viele und vor allem einflussreiche Menschen von genau diesem trägen System leben, dem in Bremen schon die Mehrheit der Wahlberechtigten die Zustimmung verweigert hat.

Anmerkung/ Fußnote:
(1): Drohnenverbot – jetzt (3.8.2015) gefunden.

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